Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 25-25240
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2025"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Prof. Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 310 Westliches Ringgebiet
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Entscheidung
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11.03.2025
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten jeweils neu zu verlegende Steine die Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum jeweiligen Geburtsjahr und Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen
Erich Scheyer und Siegfried Lichtenstein ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Goslarsche Straße 61, 38118 Braunschweig
Erich Scheyer
Geboren: 26.07.1887 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Erich Scheyer wuchs neben seinem Bruder Paul und seiner Schwester Emilie Ester (Künstlername Galka) als Sohn des Unternehmers Leopold Scheyer und dessen Frau Henriette auf.
Erich Scheyer heiratete Margarete Silberschmidt. Sie bekamen die Kinder Bernd-Ulrich und Lore Maria. Erich Scheyer floh nach der Entlassung aus Buchenwald nach Großbritannien und wurde dort Manager einer Konservenfabrik. Später gründete er zwei weitere Fabriken und leitete diese bis zu seinem 70. Lebensjahr. Er starb am 12.03.1983 in Esher, südwestlich von London.
Ausbildung/Beruf: Erich Scheyer leitete zusammen mit seinem Bruder Paul die vom Vater übernommene Konservenfabrik W. Maseberg.
Wohnort: Goslarsche Straße 61
Grund der Verfolgung: Jude
Verfolgung: Am 30.06.1938 mussten Erich und Paul Scheyer ihre Konservenfabrik W. Maseberg aufgrund politischen Drucks der Nationalsozialisten weit unter Wert an Dr. rer. pol. Friedrich Meinecke und Heinrich Meinecke verkaufen. Am 10.11.1938 wurde Erich Scheyer verhaftet und als „Aktionsjude“ gemeinsam mit seinem Bruder nach Buchenwald deportiert. Beide wurden dort am 21.11.1938 wieder entlassen. Durch verschiedene steuerliche Abgaben, speziell für Juden erhoben, verlor Erich 97 Prozent seines Gesamtvermögens, bevor er mit seiner Familie nach Großbritannien flüchten konnte.
Verlegungsort: Goslarsche Straße 61
Grund der Verlegung: Stolperstein, weil er als Jude von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Franzsches Feld.
Juliusstraße 17, 38118 Braunschweig
Siegfried Lichtenstein
Geboren: 05.06.1873 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Siegfried Lichtenstein besuchte das Gymnasium Martino-Katharineum. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der dessen Viehhandung. 1902 heiratete er Bertha Dietrich, mit der er die Kinder Hermann, Thusnelda und Anita hatte.
Ausbildung/Beruf: Siegfried Lichtenstein erweiterte die Viehhandung von seinem Vater um eine Spargelplantage und ein Fuhrunternehmen.
Wohnort: Juliusstraße 17
Grund der Verfolgung: Jude
Verfolgung: Am 10.11.1938 wurde Siegfried Lichtenstein in das KZ Buchenwald deportiert, aber am 21.11.1938 wieder freigelassen.
Infolge der Reichspogromnacht verlor er am 12.11.1938 sein Unternehmen und durfte ab dem 01.01.1939 im Zuge der Verordnung zur „Ausscheidung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ (Arisierung) nur noch als Arbeiter tätig sein. 1944 wurde Siegfried Lichtenstein ins Lager 21 Hallendorf deportiert und dort am 20.03.1944 ermordet.
Verlegungsort: Juliusstraße 17
Grund der Verlegung: Stolperstein, weil er als Jude von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Franzsches Feld.
