Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 25-25805-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Die Verwaltung beantwortet die Fragen unter Einbindung der Braunschweig Zukunft GmbH wie folgt:

 

1. Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft seit 2013

 

Hierzu liegen in der amtlichen Statistik nur Daten mit eingeschränkter Aussagefähigkeit aufgrund der Branchenabgrenzung und der Vergleichbarkeit in der Zeitreihe vor, die die Entwicklung nur näherungsweise beschreiben. Insofern wird im Rahmen dieser Anfrage nur der Zeitraum ab 2020 betrachtet. Eine umfangreiche Datenauswertung und -bewertung erfolgt im Rahmen der aktuell laufenden Studie zur Evaluation der Kultur- und Kreativwirtschaft. Mit einer Veröffentlichung ist im Sommer dieses Jahres zu rechnen. Die Daten werden derzeit recherchiert und liegen noch nicht vollständig vor.

 

Demnach hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft in Braunschweig seit Beginn der Förderung trotz schwieriger Rahmenbedingungen, insbesondere während der Corona-Pandemie, insgesamt weitgehend stabil entwickelt.

 

Im Jahr 2023 gab es nach der Umsatzsteuerstatistik des Landesamts für Statistik Niedersachsen 794 Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft Braunschweigs. Dies entspricht etwa dem Niveau von 2020 (792 Unternehmen), liegt jedoch unter dem Stand von 2018 (888 Unternehmen). Die Entwicklung verlief in den Teilmärkten unterschiedlich. Während der Markt für Darstellende Kunst Zuwächse verzeichnete, wurden im Architekturmarkt Rückgänge beobachtet. Dies entspricht teilweise auch den Beobachtungen aus den letzten Jahren, die in den Sachstandsberichten der KreativRegion e.V. dokumentiert sind. Hierbei ist zu beachten, dass durch die Änderung der Kleinunternehmerregelung seit 2020 Unternehmen erst ab einem Jahresumsatz von 22.000 EUR (vorher 17.500 EUR) erfasst werden, was die Vergleichbarkeit einschränkt. Daten aus der Umsatzsteuerstatistik von vor 2020 sind somit nicht mit den aktuellen Daten vergleichbar.

 

Im Jahr 2024 gab es in der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) in Braunschweig 6.581 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB/August-Werte). Das entspricht in etwa der Anzahl aus dem Jahr 2020 (6.495, +1,3 %, Übersicht 1a). Die Entwicklung der Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2020 und 2024 verlief in den einzelnen Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft unterschiedlich und teilweise gegenläufig. Eine Zunahme bei der Anzahl an Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnen insbesondere die Filmwirtschaft (2024: 75, +92 %) und der Markt für Darstellende Künste (2024: 104, +18 %), bei allerdings niedrigem Ausgangsniveau. Dies gilt auch für die Software-/Games-Industrie (2024: 3610, +5,3 %), den Buchmarkt (2024: 392, +2,1 %) und den Architekturmarkt (2024: 903, +1,8 %). Alle anderen Teilmärkte weisen eine Abnahme bei den Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf. Wenn man die Rundfunkwirtschaft und die Sonstigen wegen geringer absoluter Angaben ausklammert, sind das vor allem die Musikwirtschaft (2024: 256, -18,2 %) und der Pressemarkt (2024: 731, -9,6 %). Bei den Geringfügig Beschäftigten gibt es in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Braunschweig eine Zunahme von insgesamt knapp 17 Prozent (2024: 720). Hinsichtlich der Teilmärkte verzeichnen anders als bei den SvB fast alle Teilmärkte eine Zunahme. Einzige Ausnahme ist hier die Software-/Games-Industrie (2024: 131, -21 %).

 

Die Branchenzusammensetzung ist sehr divers, was durch gezielte Formate der KreativRegion r verschiedene Teilbranchen (Buchmarkt, Architektur, Rundfunk, Software/Games, Kreatives Handwerk) berücksichtigt wurde. Mit 31 Unternehmen in der KKW pro 10.000 Einwohnern ist die Stadt Braunschweig deutlich über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt (20 Unternehmen pro 10.000 Einwohner).

 

2. Teilhabe der Kultur- und Kreativwirtschaft am wirtschaftlichen Umfeld
 

Die Teilhabe der Kultur- und Kreativwirtschaft am wirtschaftlichen Umfeld hat sich nach Einschätzung der Verwaltung durch verschiedene Maßnahmen verbessert. Als zentrales Instrument ist die Projektförderung des Vereins KreativRegion e.V. zu nennen. Beispielhafte Projekte waren:

 

  1. Etablierung nachhaltiger Netzwerkformate:
    • "Großer Marktplatz" mit bis zu 80 aktiven Kreativen und mehreren hundert Besuchern
    • "Business Speed Dating" für gezielte Wirtschaftskontakte
    • "Der Frühe Vogel" als niedrigschwelliges Format für Start-ups und Gründer
  2. Professionalisierung der Beratungsinfrastruktur:
    • Einrichtung einer hauptamtlich betreuten Geschäftsstelle, zunächst im Torhaus Nord23, später im TRAFO Hub
    • "Open House Beratung" zu Themen wie Selbstmarketing, Versicherungen und Projektförderung
    • Webinare und Workshops zur digitalen Kompetenzförderung
  3. Stärkung der digitalen Präsenz und Vernetzung:
    • Entwicklung des "Kreativen Branchenbuches"
    • Aufbau einer Community mit über 1.500 Followern auf Facebook und 1.200 auf Instagram
    • Etablierung der virtuellen Bühne "Stage38" als Reaktion auf die Corona-Pandemie
  4. Stärkere Einbindung in überregionale Strukturen:
    • Gründung des Verbandes der Niedersächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft am 11.05.2021 unter Beteiligung der KreativRegion e.V.

 

Die Verwaltung hat zudem weitere Aktivitäten unternommen. So wurde die Studie zu Kreativen Orten in Braunschweig im Jahr 2020 in Auftrag gegeben. Als eine der Handlungsempfehlungen der Studie (DS Nr. 20-13483) wurde mit der Förderung entsprechender Formate des Hauses der Wissenschaft die Vernetzung der dort jeweils gebunden Communities untereinander und mit weiteren Branchen vorangetrieben.

 

 

3. Auswirkungen auf Absolventen der HBK und der Ostfalia
 

Es liegen hierzu keine quantitativen Daten zum Verbleib der Absolventen vor.

 

Formate aus dem Bereich der Gründungsförderung sollen aktiv dazu beitragen, Absolventen der Hochschulen in Braunschweig anzusiedeln. So laden der städtische Fachbereich Kultur und Wissenschaft und die Braunschweig Zukunft GmbH regelmäßig zur Beratung für Kultur- und Kreativschaffende ein. Mit den Beratungen wurden seit Beginn in 2015 insgesamt rund 200 Personen erreicht.

 

Die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft hat trotz herausfordernder Umstände zu einer stabileren Vernetzung und besseren Sichtbarkeit der Branche in Braunschweig beigetragen.

 

 

 

 

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Anlagen

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