Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 25-25929
Grunddaten
- Betreff:
-
Streuobstwiesen in Braunschweig - Kulturlandschaft mit Zukunft
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion Bündnis 90 - DIE GRÜNEN im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Beantwortung
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04.09.2025
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Streuobstwiesen gehören zu den traditionsreichsten und zugleich ökologisch wertvollsten Landschaftsformen Mitteleuropas. Sie sind nicht nur Ausdruck einer jahrhundertealten Kulturlandschaft, sondern auch Zeugen regionaler Identität und kultureller Nutzungstraditionen. Die Vielfalt an alten Obstsorten, die auf Streuobstwiesen gedeihen, stellt ein lebendiges Erbe dar, das bewahrt und gepflegt werden muss.
Ökologisch sind Streuobstwiesen von unschätzbarem Wert: Sie zählen zu den Hotspots der Biodiversität. Durch das Mosaik aus Bäumen, Wiesenflächen, Alt- und Totholz sowie extensiver Bewirtschaftung bieten sie Lebensraum für bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche gefährdete Spezies wie der Steinkauz, Wildbienen oder seltene Flechten.
Ein besonderer Aspekt ist die Steigerung der ökologischen Wertigkeit mit dem Alter der Bäume: Ältere Obstbäume mit Höhlen, Rissen und Totholzstrukturen bieten spezialisierte Nischen für Insekten, Vögel und Säugetiere, die in jungen Beständen nicht vorkommen. Damit wird jede über die Jahre gewachsene Streuobstwiese zu einem immer wertvolleren Rückzugsort für die Natur.
Doch dieser Schatz unserer Kulturlandschaft ist bedroht. Ohne menschliche Fürsorge verlieren Streuobstwiesen schnell ihre Funktion. Die regelmäßige Pflege – darunter Baumschnitt, Mahd, Nachpflanzung und Entbuschung – ist unerlässlich, um ihre Vielfalt und Vitalität zu erhalten. Offensichtlich befinden sich viele der Obstbäume auf den Braunschweiger Streuobstwiesen in einem schlechten Erhaltungszustand.
Wenn ein Streuobstbestand über längere Zeit nicht gepflegt wird, hat das erhebliche negative Auswirkungen, sowohl auf die Gesundheit der Bäume als auch auf die ökologische Qualität der Fläche:
- Fehlender Baumschnitt führt zu dichtem Kronenwuchs. Die Äste beschatten sich gegenseitig, was Pilzkrankheiten (z. B. Obstbaumkrebs, Monilia) und Schädlingsbefall (z. B. Obstmade) begünstigt.
- Äste können unter der Last ungeschnittenen Wachstums brechen, besonders bei alten Hochstämmen.
- Ohne Verjüngungsschnitt fehlt dem Baum die Kraft, junge, vitale Triebe auszubilden.
- Die Lebenserwartung der Bäume sinkt deutlich.
- Alte Sorten, die ursprünglich gepflanzt wurden, gehen ohne Nachpflanzung verloren.
- Vorzeitiger Verlust der Artenvielfalt.
- Totholz und herabfallende Äste machen ungepflegte Bestände unsicher, insbesondere wenn sie öffentlich zugänglich sind.
Streuobstwiesen verbinden Natur, Kultur und nachhaltige Nutzung auf einzigartige Weise. Ihr Erhalt ist nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch der Wertschätzung unseres kulturellen Erbes.
Im Rahmen der Stellungnahme zur „Zukunft der Braunschweiger Streuobstwiesen“ (21-16335-01) wurde mitgeteilt, dass bis 2020 keine systematische Pflege der Obstbäume erfolgte. Seitdem gebe es Planungen, die fachgerechte Pflege und Unterhaltung der Obstwiesen als dauerhafte Pflegetätigkeit zu verstetigen.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:
1. Wurde das angekündigte nachhaltige Konzept zum dauerhaften Erhalt der städtischen Obstbaumbestände inzwischen erarbeitet und kann entsprechend vorgestellt werden?
2. Wie erfolgte konkret die dauerhafte Verstetigung der Pflegetätigkeit von städtischen Obstwiesen?
3. Welche Obstbaumbestände wurden seit 2021 wie gepflegt? Wir bitten um eine tabellarische Aufstellung mit Anzahl gepflegter Bäume pro Jahr und dessen finanziellen Aufwand.
