Rat und Stadtbezirksräte
Stellungnahme - 25-25929-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Streuobstwiesen in Braunschweig - Kulturlandschaft mit Zukunft
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Stellungnahme
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün
- Verantwortlich:
- Hanusch
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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04.09.2025
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Zu den Fragen nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:
Zu 1. Aus personalwirtschaftlichen Gründen (unbesetzte Stellen/Personalwechsel) konnte seitens des Fachbereichs 67 erst im Jahr 2025 mit einer umfassenden Analyse des städtischen Obstbaumbestandes und der darauf fußenden Erarbeitung eines Pflege- und Entwicklungskonzeptes begonnen werden.
Die in diesem Jahr durchgeführte systematische Sichtung aller zur Verfügung stehender Bestandsdaten aus dem Grünflächeninformationssystems unter Einbezug der Ortskenntnisse der Pflegebezirke und -reviere hat dabei einen deutlich größeren Obstbaumbestand zu Tage gefördert als bisher angenommen und auch kommuniziert.
In der als Anlage 1 der Stellungnahme beigefügten tabellarischen Aufstellung sind alle Obstbäume auf städtischen Flächen, gruppiert nach Gattung, Art ggf. Sorte und Stückzahl enthalten, welche für den Menschen verzehrbare Früchte produzieren. Dementsprechend zählt hierzu nicht nur das klassische Obst zum Direktverzehr (bspw. Apfel, Birne, Mirabelle etc.), sondern auch Wildobstsorten, welche erst nach Verarbeitung (bspw. Most, Marmelade, Saft etc.) genießbar sind. In der Aufstellung sind nicht nur die in Streuobstwiesen stehenden Exemplare, sondern auch Obstbaumreihen und -solitäre oder an Straßen stehende Obstbäume verzeichnet.
Zurzeit sind rund 3.700 Obstbäume und die bereits genannten etwa 25 ha Streuobstwiesen erfasst. Allerdings ist die Bestandserfassung noch nicht vollständig abgeschlossen, sodass die Gesamtzahl an Obstgehölzen auf städtischen Flächen vermutlich bei über 4.000 Exemplaren liegen dürfte.
Als Anlage 2 ist ergänzend zu der tabellarischen Aufstellung ein Übersichtsplan beigefügt.
Für die Streuobstwiesen, zu denen auch mehrere große Wiesen- und Obstbaumflächen aus der ab 2018 mit Landes- und EU-Mitteln erfolgten Umsetzung des Förderprojektes „Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig“ zählen, wurden bereits in der Vergangenheit Mahd- und Pflegepläne erstellt. Diese haben allerdings im Hinblick auf die weitere Steigerung der Biodiversität Optimierungs- und Entwicklungspotenzial.
Zu 2. Die unter 1. erwähnten ca. 25 ha Obstbaumwiesen wurden, was die reine Wiesenpflege angeht, in den vergangenen Jahren ein- oder mehrmals pro Jahr gemäht.
Zu 3. Schnittmaßnahmen an den städtischen Obstbaumbeständen (Erhaltungsschnitt) wurden in den vergangenen Jahren mit Ausnahme von Maßnahmen, die der Gewährleistung der Verkehrssicherheit im öffentlichen Raum dienten, nicht durchgeführt.
Im Kontext mit der gerade begonnenen Umsetzung des Förderprojekts LiViK „Leben in Vielfalt in Zeiten des Klimawandels“ erfolgt derzeit auf der Basis der vorstehenden erwähnten Bestandserfassung des städtischen Obstbaumbestandes der Aufbau eines Obstbaumkatasters. Hierbei wird auch der aktuelle Zustand der Obstbäume und der Streuobstwiesenflächen ermittelt. Auf Grundlage dieser Daten erfolgt die Aktualisierung und bei Bedarf auch die Überarbeitung des Mähmanagements der Wiesenflächen im Hinblick auf biodiversitätssteigernde Maßnahmen. Über das Förderprojekt LiViK sollen in den nächsten vier Jahren ca. 25 ha der mit Obstbäumen bestandenen Wiesen mit dem Ziel der nachhaltigen Bestandserhaltung und -entwicklung im Rahmen eines Pflegemanagement insbesondere durch an die jeweiligen Obstgehölzarten und -sorten angepasste Schnittmaßnahmen gepflegt werden. Für diese und weitere vegetationstechnische Maßnahmen (z.B. ökologische Wiesenmahd, Abmagerung, Artenanreicherung durch streifenweise Neueinsaat) stehen in diesem Zeitraum 205.000 € Projektmittel zur Verfügung.
Im Frühherbst 2025 und im Winter 2025/2026 sollen Schnittmaßnahmen an ca. 270 Obstbäumen durchgeführt werden. Die erste angestrebte Schnittmaßnahme (ca. 150 Obstbäume) befindet sich derzeit in der Angebotseinholungsphase und soll im Verlauf des August 2025 beauftragt werden. Eine Umsetzung bis Ende September/Anfang Oktober 2025 wird angestrebt. Weitere Schnitt- bzw. Pflegearbeiten an ca. 120 Obstbäumen sind innerhalb der Vegetationsruhe im Winter 25/26 geplant. Für 2026 ist aus Mitteln des Förderprojektes LiViK die Beauftragung von Erhaltungsschnittmaßnahmen an weiteren 270 Bäumen geplant.
Für die Jahre 2027 und 2028 sind im Rahmen des Förderprojektes Schnittmaßnahmen an jeweils 530 Bäumen vorgesehen. In Summe sollen bis Ende 2028 an rund 1.600 städtischen Obstbäumen, die jeweils geschätzt 40 Jahre oder älter sind (Mindestalter als primäres Förderkriterium), Pflege- und Schnittmaßnahmen durchgeführt werden. Bei zurzeit ca. 1.900 im Bestand befindlichen Obstbäumen, die schätzungsweise älter als 40 Jahre sind, könnten nach diesem Konzept bei ca. rund 85 % aller älteren städtischen Obstbäume revitalisierende Erhaltungs- und Verjüngungsschnittmaßnahmen durchgeführt werden.
Darüber hinaus ist außerhalb des Förderprojektes LiViK geplant, kontinuierlich im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel Pflege- und Schnittmaßnahmen an den jüngeren städtischen Obstbaumbeständen zu realisieren.
Damit soll mittel- bis langfristig der besonderen Bedeutung von Obstbäumen als wertvolle Lebensräume, Spender von Schatten, Speicher von Kohlenstoff, Lieferanten von lokal erzeugten Lebensmitteln für die Bevölkerung und als Nahrungsgrundlage sowie Rückzugsorte der urbanen Flora und Avifauna entsprochen werden.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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191,1 kB
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2
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öffentlich
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13,3 MB
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