Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 25-26553
Grunddaten
- Betreff:
-
Bericht zur Situation des Nachhaltigkeitszentrums (NHZ) in Braunschweig
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 68 Fachbereich Umwelt
- Beteiligt:
- 0100 Steuerungsdienst; DEZERNAT VIII - Umwelt-, Stadtgrün- und Hochbaudezernat; 67 Fachbereich Stadtgrün
- Verantwortlich:
- Hanusch
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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30.09.2025
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Hintergrund
Das Nachhaltigkeitszentrum (NHZ) ist eine Priorität 1 Maßnahme des im Jahr 2022 beschlossenen IKSK 2.0. Dieses fordert die Schaffung eines zentralen, selbstverwalteten Arbeits-, Treff- und Veranstaltungsortes zur Stärkung nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens in Stadt und Region. Von diesem sollen Impulse zur Senkung konsumbedingter Treibhausgasemissionen, zur Stärkung klimafreundlicher Angebote und zur Entlastung des Ehrenamtes ausgehen.
Im Januar 2024 hat die Verwaltung mit Verfügbarkeit entsprechender Räumlichkeiten im Bohlweg 55 einen intensiven Beteiligungsprozess mit engagierten Einwohnerinnen und Einwohnern gestartet, um das NHZ inhaltlich zu entwickeln. Nach Erarbeitung eines gemeinsam getragenen Konzeptes und Designs wurde das NHZ im Oktober 2024 offiziell eröffnet. Schon die Eröffnung zeigte mit weit über 200 Besucherinnen und Besuchern ein großes Interesse in der Stadtgesellschaft.
Im Rahmen eines vorgesehenen Pilotbetriebs übernimmt aktuell die Verwaltung die Federführung für das Projekt. Sie stellt das notwendige Equipment wie Mobiliar sowie Informations- und Kommunikationstechnik zur Verfügung und trägt als Mieterin die Verantwortung für die Räumlichkeiten. Zudem koordiniert die Verwaltung die Erstellung des gemeinsamen Monatsprogramms, leistet begleitende Öffentlichkeitsarbeit (u. a. Social Media) und platziert im NHZ auch eigene Angebote.
Das NHZ im Betrieb
Die Räumlichkeiten erweisen sich als für die Zwecke des NHZ ideal geeignet. Die straßenseitig zugewandten Räume werden publikumswirksam genutzt. Hier sind zurzeit eine „klimafreundliche Musterwohnung“ sowie ein „interaktiver Einkaufsladen“ untergebracht. Beide Angebote dienen der Stärkung des Klimaschutzes in der Umweltbildung und bieten Schulklassen oder außerschulischen Gruppen einen Anlaufpunkt in der Braunschweiger Innenstadt. Für die Finanzierung der Einrichtung konnten jeweils erfolgreich Förderanträge gestellt werden. Die laufende Betreuung übernimmt das Klimaschutzmanagement.
Ferner bietet das NHZ einen Vortragsraum für bis zu 60 Personen sowie drei kleinere Arbeits-/Sitzungsräume und eine Küche, die von Initiativen oder Vereinen gebucht und genutzt werden können. Inzwischen nutzen 30 lokale Nachhaltigkeitsinitiativen und -vereine das NHZ regelmäßig. Seit 2024 fanden im NHZ insgesamt 300 Veranstaltungen im Rahmen der Vereins- oder Initiativenarbeit statt. Die Verwaltung selbst nutzte die Räumlichkeiten des NHZ für insgesamt 115 Veranstaltungen, darunter sowohl interne Veranstaltungen wie Arbeitstreffen als auch öffentliche Angebote wie Vorträge, z. B. durch die städtische Energieberatung.
Die Flächen werden neben der Vereinsarbeit auch für Formate wie Vortragsveranstaltungen, einschlägige Ausstellungen, Workshops oder Sonderformate wie Escape Rooms oder Kleidertausch-Partys genutzt. Durch die Vielseitigkeit des Angebots können unterschiedliche Personengruppen aller Altersstufen angesprochen werden und miteinander in den Austausch kommen. In einem monatlich erscheinenden Programm werden die überwiegend ehrenamtlich angebotenen Veranstaltungen veröffentlicht. Dieses entsteht im Rahmen eines von der Verwaltung moderierten Plenums auf Basis des gemeinschaftlichen Konzeptes.
Im Rahmen von mittlerweile 9 Monatsprogrammen wurden insgesamt 114 öffentliche Veranstaltungen für externe Gäste angeboten, die von etwa 1500 gezählten Personen besucht wurden. Das NHZ hat sich dadurch als Anlaufstelle für einen großen Teil der Braunschweiger „Umweltszene“ etabliert, bietet aber auch technisch interessierten Personen mit Formaten wie Solar- oder Wärmepumpenberatungen einen Anlaufpunkt.
Ein großes Potential liegt in der nachhaltigen Bildung und in Angeboten für die Schulen und auch der Fortbildung von Akteuren der außerschulischen Bildungsarbeit. Dieses sollte im weiteren Prozess noch verstärkt werden.
Aktueller Status des NHZ
Damit sich das NHZ nach der Pilotphase als von der Stadt finanziell und organisatorisch weitestgehend unabhängige Institution etablieren kann, hat die Verwaltung im ersten Halbjahr 2025 einen weiteren Beteiligungsprozess mit den im NHZ engagierten Ehrenamtlichen durchgeführt, an dessen Ende eine gemeinsam getragene Vereinssatzung entstanden ist. Diese soll einem selbstverwalteten NHZ in der Rechtsform eines gemeinnützigen e.V. als Grundlage dienen.
Trotz zweier moderierter Beteiligungsprozesse mit insgesamt 10 Veranstaltungen zur Erarbeitung eines gemeinsam getragenen Konzeptes und einer Vereinssatzung sowie ergänzender Installation eines begleitenden Beirates ist es bislang nicht gelungen, eine ehrenamtliche Trägerschaft zu organisieren. Der Verwaltung wurde zugetragen, dass die allgemeine Auslastung des Ehrenamtes in Kombination mit der Größe der Aufgabe und der angestrebten finanziellen Eigenständigkeit das Ehrenamt überfordert. Viele Personen unterstützen das NHZ aktiv, sehen sich aber aus Kapazitätsgründen nicht in einer hauptverantwortlichen Rolle.
An die Verwaltung wurde nun der Wunsch gerichtet, vorerst weiterhin die federführende Rolle zu übernehmen, um dem NHZ über den begonnenen Pilotbetrieb hinaus eine Perspektive zu geben.
Die Verwaltung arbeitet aktuell weiter an einer Lösung für ein tragfähiges Betreibermodell. Hierfür ist es unter anderem notwendig, die Einnahmesituation des NHZ zu verbessern, um so die Abhängigkeit von einer externen Finanzierung weitestmöglich zu reduzieren.
Kern der künftigen Strategie ist die Entwicklung des NHZ als Kooperationsprojekt zwischen der Volkshochschule Braunschweig GmbH (VHS) und der Stadt Braunschweig. Basis hierfür sind Synergien zu VHS-Projekten wie dem Stadtgarten Bebelhof, die sich durch viele Gemeinsamkeiten in der Konzeption, Organisation und Arbeitsweise auszeichnen, Treffpunkte und Veranstaltungsorte für ehrenamtliches Engagement darstellen und Nachhaltigkeit zum Thema haben.
Die Kooperation bietet programmatische und organisatorische Vorteile für beide Akteure. So wird etwa die wetterbedingte Saisonalität der Angebote reduziert, wodurch die jeweiligen Programmangebote ausgeweitet und deren Attraktivität erhöht werden können. In Ergänzung mit einer abgestimmten Öffentlichkeitsarbeit (z. B. in den aktuell monatlich digital und gedruckt erscheinenden Programmflyern, über den Instagram-Kanal des NHZ) kann so die Reichweite beider Angebote erhöht werden.
Administrativ bietet die stärkere Integration des NHZ in das Anmeldemanagement der VHS eine notwendige Grundlage, um Einnahmen aus der Raumvermietung und Teilnahmegebühren zu erzielen und Angebote zu synchronisieren.
Die Zusammenarbeit setzt ein Signal für die Relevanz der Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Stadt Braunschweig und in der Region. Die Bündelung beider Aktivitäten und die Schaffung einer Perspektive verbessern die Grundlagen für externe Förderung und erhöht die Attraktivität für weitere Unterstützerinnen und Unterstützer (u.a. in Form eines möglichen Fördervereins). Die Zusammenarbeit mit der VHS wird nach einem Jahr evaluiert.
Im Rahmen der Kooperation wird das NHZ wie bisher erstmal weiterhin federführend von der Verwaltung organisatorisch gesteuert. Die beteiligten Ehrenamtlichen erhalten so die Möglichkeit, sich auf die inhaltliche Projektarbeit zu konzentrieren und das Angebot im NHZ auf Basis des beschlossenen Konzeptes maßgeblich mit zu bestimmen. Das NHZ behält damit weiterhin seinen ehrenamtlichen Kern, ohne dass dieser organisatorisch überfordert wird.
Die Verwaltung wird zur Entwicklung des Kooperationsprojektes in 2026 wieder berichten.
