Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Antrag (öffentlich) - 25-28069

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Die Verwaltung wird beauftragt, für die Stadt Braunschweig fristgerecht eine Interessenbekundung zur Teilnahme am Kooperationsprogramm CTC:RP (Communities that Care: Radikalisierungsprävention) 2026-2028 beim Landespräventionsrat Niedersachsen einzureichen und dem Jugendhilfeausschuss über den weiteren Verlauf zu berichten.

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Sachverhalt

Die CTC-Befragung ist ein zentrales Instrument zur datengestützten Präventionsarbeit in Braunschweig. In der letzten regulären CTC-Befragung 2022 zeigten sich u. a. bei den Einstellungen zu Demokratie und Autoritarismus besorgniserregende Entwicklungen. So stimmten im Jahr 2022 6,4 % der befragten Jugendlichen der Aussage zu, man solle einen „Führer haben, der Deutschland mit starker Hand regiert“, eine Verdopplung gegenüber der vorherigen Befragung aus 2020.

 

In der im Jahr 2025 durchgeführten CTC-Befragung wurde das Themenfeld Radikalisierung und Demokratieeinstellungen jedoch leider nicht mehr erhoben. Stattdessen wurde der Fragebogen u. a. um Aspekte der Medien- und Handynutzung erweitert. Vor dem Hintergrund der bekannten Entwicklungen erscheint es fachlich jedoch nicht ausreichend, dieses Themenfeld künftig unberücksichtigt zu lassen.

 

Mit dem Programm CTC:RP bietet der Landespräventionsrat Niedersachsen ein eigenständiges, wissenschaftlich fundiertes Zusatzmodul zur Radikalisierungsprävention an.

 

Dieses ermöglicht:

 

  • eine gezielte Erhebung von Risiko- und Schutzfaktoren im Bereich Radikalisierung und Demokratieförderung,
  • kostenfreie Auswertungsberichte und Handlungsempfehlungen,
  • begleitende Qualifizierung kommunaler Fachkräfte sowie
  • finanzielle Mittel für die Umsetzung passender Präventionsmaßnahmen.

 

Die Befragungen im Rahmen von CTC:RP sind auf die Jahre 2026 und 2028 begrenzt und stellen daher keine dauerhafte Mehrbelastung für Jugendliche dar. Angesichts der Verlängerung des regulären Braunschweiger CTC-Befragungsturnus auf drei Jahre (die nächste Befragung wäre demnach erst im Jahr 2028 angedacht) ist das Programm eine sinnvolle Ergänzung, um aktuelle Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und wirksam darauf reagieren zu können.

 

Radikalisierungstendenzen entstehen in der Regel nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schrittweise über einen längeren Zeitraum. Sie gehen häufig mit Gefühlen von Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit, psychischer Belastung, Gewalt- oder Diskriminierungserfahrungen sowie mit einer zunehmenden Ablehnung demokratischer Werte einher. Gerade im Jugendalter können solche Entwicklungen besonders wirkmächtig sein, da Orientierungsphasen, Identitätssuche und soziale Unsicherheiten eine erhöhte Anfälligkeit für vereinfachende, autoritäre oder extremistische Deutungsmuster mit sich bringen.

 

Die Ergebnisse der CTC-Befragung 2022 haben bereits auf problematische Tendenzen hingewiesen, etwa auf steigende Zustimmungswerte zu autoritären Führervorstellungen sowie auf eine insgesamt hohe psychische Belastung vieler Jugendlicher. Vor diesem Hintergrund ist es fachlich notwendig, diese Entwicklungen nicht nur punktuell, sondern kontinuierlich und systematisch zu beobachten. Nur so können Risiken frühzeitig erkannt werden, bevor sich extremistische Einstellungen verfestigen oder in gewaltbereites Handeln übergehen.

 

Das Programm CTC:RP setzt genau an dieser Stelle an. Es ermöglicht eine datengestützte Analyse von Risiko- und Schutzfaktoren im Bereich Radikalisierung und Demokratieförderung und schafft damit eine belastbare Grundlage für zielgerichtete Präventionsarbeit. Die Teilnahme würde es der Stadt Braunschweig erlauben, bekannte Problemlagen weiter zu verfolgen, neue Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren und darauf aufbauend passgenaue, wirksamkeitsgeprüfte Maßnahmen der Demokratieförderung sowie der Radikalisierungs- und Extremismusprävention umzusetzen.

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Anlagen

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Erläuterungen und Hinweise