Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 26-28202
Grunddaten
- Betreff:
-
Sicherheit und Widerstandsfähigkeit der Stromversorgung in Braunschweig
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion Bündnis 90 - DIE GRÜNEN im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Ausschuss für Finanzen, Personal und Digitalisierung
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zur Beantwortung
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29.01.2026
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Sachverhalt
Ein aktueller großflächiger Stromausfall in Berlin infolge gezielter Beschädigung mehrerer gebündelter Hoch- und Mittelspannungskabel hat gezeigt, dass Stromnetze auch in Deutschland an bestimmten neuralgischen Punkten verwundbar sein können, wenn mehrere Leitungen räumlich nahe beieinander liegen. In der Debatte wird dabei betont, dass das übliche n-1-Sicherheitsprinzip, also die Auslegung auf den Ausfall einer einzelnen Komponente ohne Versorgungsunterbrechung, in solchen Situationen nicht ausreicht, wenn durch äußere Einwirkungen mehrere Leitungen gleichzeitig betroffen sind. Dies kann zum Ausfall großer Teile des Versorgungsnetzes führen.
Der Berliner Fall hat verdeutlicht, dass insbesondere gebündelte Kabeltrassen, Querungen, Schachtbauwerke und andere zentrale Netzknoten eine hohe systemische Bedeutung besitzen. Fällt an solchen Stellen mehr als eine Leitung aus, können vorhandene Redundanzen faktisch gleichzeitig außer Kraft gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sehen Bundesregierung, Netzbetreiber und Branchenverbände die Notwendigkeit, über klassische Netz-Redundanz hinaus weitere Maßnahmen zu prüfen, etwa räumlich unabhängige Leitungsführungen, zusätzliche Schalt- und Einspeisemöglichkeiten, mobile Krisenressourcen, erhöhte physische Schutz- und Überwachungsmaßnahmen sowie eine verbesserte Abstimmung von Krisenreaktion und Notfallmanagement. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass auch bei hohen Sicherheitsstandards keine absolute Unverwundbarkeit gegenüber gezielten, extremen Eingriffen gewährleistet werden kann.
Parallel dazu verstärkt sich die Debatte über die Vorsorge und Vorbereitung der Bevölkerung auf länger andauernde Stromausfälle. Mehrere Landkreise in Niedersachsen haben daher bereits Informations- und Vorsorgeveranstaltungen für die Bevölkerung zu länger andauernden Stromausfällen und vergleichbaren Krisenszenarien organisiert, um über mögliche Auswirkungen, sinnvolle Vorsorgemaßnahmen und angemessenes Verhalten im Ernstfall zu informieren. Auch für Braunschweig stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, wie gut die technische Absicherung des Stromnetzes, die organisatorische Krisenvorsorge und die Information der Bürgerinnen und Bürger derzeit aufgestellt sind und wie diese angesichts aktueller Erkenntnisse weiterentwickelt werden können.
Vor diesem Hintergrund fragen wir:
1. Wie ist das Stromnetz in Braunschweig auf Hoch- und Mittelspannungsebene hinsichtlich Redundanz und Ausfallsicherheit aufgestellt (n-1-Prinzip, kritische bzw. gebündelte Netzabschnitte)?
2. Welche Lehren werden aus dem Berliner Stromausfall für das Stromnetz in Braunschweig gezogen (z. B. Entflechtung von Leitungen, Schutz kritischer Netzknoten, Überwachung und Detektion, Krisenressorucen)?
3. Sind durch BS Energy und/oder die Verwaltung Informations- oder Vorsorgeveranstaltungen für die Bevölkerung zu länger andauernden Stromausfällen nach dem Vorbild mehrerer niedersächsischer Landkreise vorgesehen oder geplant?
Bei der Beantwortung der Fragen sollen detaillierte Antworten zum Netz und etwaigen Schwächen nicht öffentlich beantwortet werden. Alle weiteren Ausführungen sollen öffentlich erfolgen.
