Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 26-28234
Grunddaten
- Betreff:
-
Statusbericht zum Förderprojekt „LiViK - Leben in Vielfalt in Zeiten des Klimawandels“ 2025
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün
- Beteiligt:
- DEZERNAT III Stadtplanungs-, Verkehrs-, Bau- und Wirtschaftsdezernat; 61 Fachbereich Stadtplanung und Geoinformation
- Verantwortlich:
- Hanusch
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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30.01.2026
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Sachverhalt
Die Verwaltung kann folgendes mitteilen:
Hintergrund und Einleitung
Im Jahr 2024 hatte der Fachbereich Stadtgrün in Zusammenarbeit mit dem Referat für Grün- und Freiraumplanung erfolgreich am zweistufigen Antragsverfahren im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) – jetzt Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) – teilgenommen. Projektträgerin des Förderprojektes ist die ZUG (Zukunft-Umwelt-Gesellschaft) gGmbH.
Mit dem Zuwendungsbescheid vom 28.11.2024 wurden der Stadt Braunschweig für das Förderprojekt „LiViK“ (Leben in Vielfalt in Zeiten des Klimawandels) Fördermittel in Höhe von insgesamt etwa 5,1 Mio. Euro gewährt. Die förderfähigen Gesamtausgaben belaufen sich bei einer 80%igen Förderquote auf etwa 6,4 Mio. Euro. Diese Summe beinhaltet eine bezuschusste Personalstelle beim Fachbereich Stadtgrün, welche zum 01. Mai 2025 besetzt werden konnte. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und endet voraussichtlich zum Jahresende 2029. Aufgrund der zeitlichen Verzögerungen beim Stellenbesetzungsverfahren wurde aber bereits durch die ZUG gGmbH eine mögliche Verlängerung um die fehlenden vier Kalendermonate in Aussicht gestellt.
Die drei Hauptziele des Förderprojektes sind die Umsetzung von Maßnahmen für den Klimaschutz, zur Steigerung der urbanen Biodiversität und der Lebensqualität. Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz fokussiert dabei die Nutzung von Synergieeffekten zwischen diesen drei Hauptzielen und den Akteuren vor Ort, um Zielkonflikte sowie Flächenkonkurrenz möglichst zu vermeiden.
Das Projekt ist inhaltlich in fünf übergeordnete Fördergegenstände (FG) gegliedert, zu welchen im Folgenden ein kurzer Rück- und Ausblick gegeben wird. Aufgrund der formalen Anforderungen sowie der stufenweisen Genese des Projekts im Rahmen des Antragsverfahrens haben sich jedoch inhaltliche Verflechtungen ergeben. Um Doppelungen zu vermeiden, erfolgt das Berichtswesen daher anhand von räumlich und/oder thematisch definierten Fokusgebieten, die nicht immer deckungsgleich mit den Fördergegenständen sind.
Der offizielle Zwischenbericht und Zwischennachweis über die Finanzmittel erfolgt Ende März und kann nach Freigabe durch die Projektträgerin gerne als Mitteilung außerhalb von Sitzungen dem Umwelt- und Grünflächenausschuss zur Verfügung gestellt werden. Die Berichte stellen den aktuellen Sach- und Planungsstand dar. Zeitliche und inhaltliche Änderungen im Laufe des Projektes sind zu erwarten.
Rückblick auf 2025 und Ausblick auf 2026
Fokusgebiet Emsviertel: Fördergegenstand 1 „Entsiegelung und Anlage von naturnahem, biodiversitätssteigerndem Straßenbegleitgrün“
Übergeordnetes Ziel ist die Umgestaltung des Emsviertels nach dem Schwammstadtprinzip. In diesem Zusammenhang sollen entlang eines Wegesystems (einschließlich eines Platzes) Flächen entsiegelt und stattdessen versickerungsfähig befestigt (etwa 2500 m²) oder mit naturnahmen, biodiversitätssteigerndem Straßenbegleitgrün bepflanzt (etwa 1200 m²) werden. Etwa 15 neue Baumstandorte sollen geschaffen werden.
Im Fokusgebiet Emsviertel wurden im Jahr 2025 erste, vorbereitende Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählen punktuelle Baugrunduntersuchungen im gesamten Planungsgebiet, eine Biotoptypenkartierung sowie eine Bestands- und Höhenaufnahme. Die Ergebnisse bilden die Voraussetzung zur Abgabe qualifizierter Planungsangebote. Eingegangene Angebote werden aktuell bereits auf Eignung geprüft.
Die ausgewählten Planungsbüros werden im Weiteren aufgefordert, bis Februar 2026 erste Ideenskizzen, Konzeptüberlegungen sowie ein qualifiziertes Honorarangebot vorzulegen. Anhand einer Bewertungsmatrix ist dann geplant, den geeignetsten Bieter im Frühjahr 2026 mit der weiteren Planung zu beauftragen. Im Verlauf des Jahres 2026 soll somit zunächst die Grundlagenermittlung abgeschlossen und mit der Vorentwurfs- und Entwurfsplanung begonnen werden.
Fokusgebiet Westpark: Fördergegenstände 2 „Naturnahe und biodiversitätssteigernde Grünflächen“ und 5 „Umweltbildung im Biodiversitäts- und Klimapark Westpark
Ziele sind die ökologische Aufwertung und die Weiterentwicklung des Westparks zu einem Biodiversitäts- und Klimapark. Zur ökologischen Aufwertung sollen in einer abstrahierten Schätzung etwa 100 Sträucher für einen 300 m langen Gehölzlehrpfad, 175 Bäume, insgesamt 0,5 ha Kleingewässer und Feuchthabitate, 4 ha extensivierte Wiesenflächen (teilweise mit Neueinsaat) und etwa 1.000 m² Hotspotflächen (Kleinbiotope zur gezielten Artenförderung) angelegt werden.
An dieser Stelle soll kurz erläutert werden, warum hier sowie im Fokusgebiet Harxbüttel lediglich von abstrahierten, geschätzten Zielmarken die Rede ist.
In den Fokusgebieten Westpark und Harxbüttel sind umfassende ko-kreative Beteiligungsprozesse geplant. Das bedeutet, dass die Auswahl der Maßnahmen und Flächen innerhalb eines festgelegten Rahmens den Stakeholdern überlassen wird. Innerhalb des fachlichen Rahmens (Umweltbildungskonzept, Kartierungsergebnisse, Kostenschätzung, Förderfähigkeit der Maßnahmen etc.) wird eine Art „Speisekarte“ an Maßnahmen und Ideen zusammengestellt, aus denen die Stakeholder wählen können, was sie in welchem Umfang möchten und wo es realisiert werden soll. Das lokale Wissen und die Bedürfnisse der Ziel- und Nutzendengruppen sollen so intensiv mit in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Dementsprechend kann aber zum jetzigen Zeitpunkt (wie auch zum Zeitpunkt der Antragstellung) nicht genau gesagt werden, wo bspw. wie viele m² Kleingewässer angelegt oder wie viele Meter Wildhecke gepflanzt werden. Natürlich musste aber für die Einwerbung der Fördermittel eine Kostenschätzung angefertigt und Informationen über die potentiellen Maßnahmen vorgelegt werden. Daher wurden lediglich abstrahierte, also auf fiktiven Annahmen bestehende und an Erfahrungswerten orientierte Schätzungen vorgenommen, deren Verteilung und Kostenzusammensetzung sich innerhalb des Gesamtkostenrahmens noch flexibel verändern kann. Die Kalkulation hat dabei pro Einheit stattgefunden, sodass diese relativ einfach an die Änderungen angepasst werden kann.
Positive Naturerlebnisse und erworbene Kenntnisse über die Natur steigern ebenso wie Partizipation das Umweltbewusstsein, die Wertschätzung und Identifikation mit der Natur und den Örtlichkeiten. Sie können zur positiven Auseinandersetzung mit Themen wie dem Klimawandel und der Biodiversitätskrise anregen. Mithilfe eines umfangreichen Umweltbildungskonzeptes soll daher im Westpark zusätzlich zu dem Beteiligungsprozess ein thematischer roter Faden entwickelt werden. Etwa 20 Umweltbildungsstationen sollen später physisch die Maßnahmenflächen miteinander verbinden und den Park als Ganzes zusammenführen.
LiViK ist mit dem starken Fokus auf Umweltbildung und Partizipation ein Förderprojekt mit großen Alleinstellungswert innerhalb des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. Es ist eher selten, dass Fördermittel in dem Umfang für ein solches Projektdesign zur Verfügung gestellt werden, da normalerweise bei Antragsstellung bereits sehr konkrete Planungen vorliegen müssen. In 2025 hat der Fachbereich Stadtgrün an dem jährlich stattfindenden Netzwerktreffen der Projektträgerin teilgenommen. Aufgrund der Einzigartigkeit und Vielfältigkeit von LiViK wurde die Stadt Braunschweig von der ZUG gGbmH als eine von fünf Kommunen gebeten, schlaglichtartig das Projekt vorzustellen. Bei dem zweitätigen Netzwerktreffen in Berlin waren über 100 geförderte Kommunen aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz sowie Vertretungen von Bundesämtern und -ministerien anwesend.
Durch die hohe Komplexität und Verknüpfung der betroffenen Fördergegenstände, wurden 2025 größtenteils vorbereitende Arbeiten für die Folgejahre durchgeführt.
Bis Ende 2026 soll der umfangreiche Beteiligungsprozess der lokalen Stakeholder, die Erstellung des Umweltbildungskonzeptes sowie im 2. Quartal eine vegetationstechnische und ggf. insektenfaunistische Kartierung durchgeführt werden. Für letzteres wurde zum Jahresanfang mit der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen begonnen. Die Begleitung durch ein landschaftsarchitektonisches bzw. landschaftsplanerisches Büro, der Beteiligungsprozess und das Umweltbildungskonzept werden derzeit ausgeschrieben. Die Ergebnisse dieser Bausteine sollen ab Ende 2026 in der konkreten Auswahl und Überplanung der Flächen in 2027 zusammenfließen.
Fokusgebiet Ökologische Aufwertung durch Streuobstwiesen und Obstbäume: Fördergegenstand 3A „Bestandssicherung Streuobstwiesen und Obstbäume“
Im Zuge der Stellungnahme 25-25929-01 „Streuobstwiesen in Braunschweig – Kulturlandschaft mit Zukunft“ wurde zur Sitzung des Umwelt- und Grünflächenausschusses am 04. September 2025 bereits ausführlich über den damaligen Sachstand berichtet, daher wird an dieser Stelle lediglich zusammengefasst und ergänzt.
Das übergeordnete Ziel ist die einmalige Pflege von 1.600 alten Obstbäumen (Mindestalter 40 Jahre) sowie die Extensivierung von 25 ha Wiesenfläche. Dadurch sollen der langfristige Erhalt und der ökologische Wert dieser wertvollen Habitate gesteigert bzw. gesichert werden.
In 2025 wurde insbesondere die strukturierte Erfassung des städtischen Obstbaum- und Streuobstwiesenbestandes vorangetrieben. Die Ermittlung und mittelfristige Sammlung dieser Daten in einem Obstbaum-Kataster ist grundlegende Voraussetzung für die Umsetzung dieses Fördergegenstandes und für die Entwicklung eines Pflegeplans. Als erster Aufschlag wurden im September 2025 Pflegemaßnahmen an 150 Obstbäumen durchgeführt.
Für 2026 ist die Pflege von etwa 400 Obstbäumen und der ersten Wiesen angedacht.
Da bei Stellung des Antrags bereits absehbar war, dass zunächst eine langwierige und intensive Sammlung und Aufbereitung der grundlegenden Daten und Informationen nötig ist, wurde eine schrittweise Bearbeitung vorgesehen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Datenbasis nach und nach verbessert, sodass sich die geplante Anzahl zu pflegender Bäume/Wiesen pro Projektjahr steigert.
Fokusgebiet Ökologische Aufwertung durch Streuobstwiesen und Obstbäume: Fördergegenstand 3B „Neuanlage Streuobstwiesen“
Das Ziel ist die Neuanlage von zwei Streuobstwiesen mit je 1 ha Fläche und je 100 Obstbäumen verschiedener Arten und Sorten.
In 2025 wurde für die Anlage der ersten Wiese ein Standort in Thune, nördlich angrenzend an den Spielplatz Jasminweg festgelegt. Die detaillierte Flächenprüfung mit entsprechenden verwaltungsinternen Abstimmungsprozessen konnte erfolgreich durchgeführt und damit die fristgerechte Kündigung der verpachteten Fläche zum 30. September 2028 ausgesprochen werden. Die Flurstücke werden derzeit landwirtschaftlich genutzt. Aufgrund der Vereinbarung einer Mindestpachtdauer von 3 Jahren kann die Kündigung bei Einzelmaßnahmen wie der Anlage einer Streuobstwiese erst zum Herbst 2028 erfolgen. Eine Zeitverzögerung für das Projekt ergibt sich daraus nicht. Die Ausschreibungsprozesse für die Planung und Ausführung starten erst in 2027. Für 2026 ergeben sich damit grundsätzlich keine Aufgabenpakete. Eine frühestmögliche Kündigung der Fläche wurde aus Gründen der Planungssicherheit sowohl für die Stadt Braunschweig als auch für den betroffenen Landwirt angestrebt.
Die zweite Wiese wurde für die Weiterentwicklung des Westparks als Puffer vorgesehen, falls im Rahmen der Beteiligungsaktion mehr Streuobstwiesen gewünscht werden (vgl. Fokusgebiet Westpark). Zeichnet sich im Laufe des Jahres 2026 ab, dass dies nicht der Fall sein sollte, erfolgt ab 2027 die Prüfung einer Alternative.
Fokusgebiet Harxbüttel: Fördergegenstand 4 „Ökologische Aufwertung von Wegrainen“
Ziel ist die ökologische Aufwertung der Wegraine im städtischen Eigentum in der Feldmark Harxbüttel. Hierzu wurde ebenso wie beim Fokusgebiet Westpark zunächst eine Ideensammlung zusammengestellt. Die Zusammensetzung und Größenverteilung der Einzelmaßnahmen kann sich noch vollständig – je nach Ergebnis des Beteiligungsprozesses – verändern (vgl. Fokusgebiet Westpark). Daher ist die Zielmarke von 1 km extensivierten Wegrainen, die Pflanzung von 30 Bäumen in einer 300 m langen Obstbaumreihe, die Anlage einer 1 km langen Wildhecke sowie die Neueinsaat mit einer Blühmischung auf 1 km Wegrain lediglich eine Schätzung. Sollte die mengenmäßige Umverteilung der Maßnahmen durch den Beteiligungsprozess nicht vollumfänglich innerhalb des begrenzten Fokusgebiets möglich sein, könnten in Rücksprache mit der Projektträgerin ggf. Ausweichflächen genutzt werden.
Die betroffene Ausschreibung zur Durchführung des ko-kreativen Beteiligungsprozessen befindet sich, wie bereits erwähnt, derzeit in der Umsetzung (vgl. Fokusgebiet Westpark). Das Jahr 2025 wurde im Wesentlichen für die Vorbereitung selbiger sowie für die Ermittlung der fachlichen Grundlagen genutzt.
In 2026 soll bis Ende des Jahres der Abschluss der Beteiligungsprozesse, die Vergabe der landschaftsplanerischen Leistungen sowie im 2. Quartal die Durchführung einer vegetationstechnischen und ggf. einer avi-faunistischen Kartierung erfolgen. Diese Prozesse stellen die Grundlage für die konkrete Zusammensetzung und Ausführung der Maßnahmen in den Jahren 2027 und 2028 dar.
Öffentlichkeitsarbeit
Vor dem Jahreswechsel wurde eine Zusammenarbeit mit dem Braunschweiger Stadtmarketing gestartet. Im 1. Quartal 2026 soll eine eigene Projektseite auf der städtischen Homepage und ein übergeordnetes Projektlogo erstellt werden. Diese Maßnahmen sollen den Bürgerinnen und Bürgern Informationen und Sachstände über LiViK zur Verfügung stellen sowie den Bekanntheitsgrad und Wiedererkennungswert des Projektes steigern. In der zweiten Jahreshälfte 2026 sind dann die Erstellung eines Flyers bzw. einer Projektbroschüre angedacht.
Weiterhin wurde in 2025 ein Projektsteckbrief in der Datenbank der Projektträgerin veröffentlicht (https://www.z-u-g.org/ank-lk/projekte/braunschweig/).
Monitoring der Geodaten und Projektindikatoren
Von der Projektträgerin bzw. vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) wurden bzw. werden Geodaten und Indikatoren zu den geförderten Projekten erhoben. Erfasst werden u.a. die Ist-Zustände der Biotoptypen für jede Maßnahmenfläche bei Projektstart (bzw. sobald diese Flächen festgelegt wurden) sowie die derzeitig prognostizierte Entwicklung zum Projektende 2029. In 2029 erfolgt dann erneut eine Bestandserfassung zur Dokumentation der bis dato erreichten Ziele. Weiterhin werden u.a. Informationen zur potentiell erreichbaren Bevölkerungszahl, die Menge an gesicherten Altbäumen sowie die Menge und Arten der gepflanzten Sträucher/Bäume gesammelt. Diese Daten werden im Anschluss vom BfN zur Dokumentation der Klima- und Naturschutzmaßnahmen sowie zur Evaluation der Fördermitteleffizienz verwendet.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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öffentlich
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1,2 MB
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