Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung außerhalb von Sitzungen - 26-28236

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

 

Zur aktuellen Situation wohnungsloser Menschen in Braunschweig hat die Verwaltung in der Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit am 15. Januar 2026 mündlich berichtet. Dem Wunsch des Ausschusses, die Ausführungen noch einmal schriftlich mitgeteilt zu bekommen, kommt die Verwaltung gerne nach. Es werden anliegend die bereits bestehenden Angebote sowie andererseits die Überlegungen der AG Wohnungslosigkeit aufgeführt.

 

Allgemeines

 

Für jede Person, die wohnungslos ist und bei der Stadt Braunschweig Hilfe sucht, beschafft die Verwaltung zumindest vorübergehend einen Notschlafplatz. Die Jahreszeit spielt dabei keine Rolle.

Die Stadt Braunschweig unterhält zur Unterbringung wohnungsloser Personen verschiedene Einrichtungen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Neben zentralen und dezentralen Einrichtungen für Männer gibt es ebenfalls dezentrale Standorte für Frauen, Paare und Familien. Akut Betroffene können sich tagsüber an die Abteilung „Wohnen und Senioren“ in der Naumburgstraße 25 wenden. Weiterhin ist eine Kontaktaufnahme über die zentrale Wohnungslosenunterkunft der Stadt Braunschweig für Männer, die an der Straße „An der Horst“ liegt, und 24/7 besetzt ist, möglich. Frauen und Paare können sich außerhalb der Dienstzeiten an das Polizeikommissariat Mitte wenden und sich in einem Notraum unterbringen lassen.

 

Angebote freier Träger:

Wohnungsloseneinrichtungen sind das Diakonieheim Am Jödebrunnen, das Haus Braunschweig (Wohnheim für suchtgeschädigte Menschen) und das Betreute Wohnen am Pippelweg.

Darüber hinaus gibt es mehr als zehn Beratungsstellen in der Wohnungslosenhilfe (Caritas, Diakonie, Straffälligenhilfe, DRK, DROBS etc.), die weitere Angebote bereithalten wie z. B. Stadtteilläden, Straßensozialarbeit, Tagestreffs, Drogenberatung u.v.m.

 

 

  1. Aktuelle Situation

 

  1.       Belegung der Wohnungslosenunterkünfte

 

In den städtischen Wohnungsloseneinrichtungen leben derzeit 236 Personen in 184 Haushalten (Stand: 31.01.2026). Insgesamt stehen 374 Plätze in 243 Wohneinheiten zur Verfügung. Die Auslastung liegt damit derzeit bei rund 74 Prozent.

Aktuell sind die Noträume An der Horst (Männer) und in der Bertramstraße (Frauen, Paare und Familien) noch nicht ausgelastet, so dass ausreichend Notschlafplätze zur Verfügung stehen. Auch während der relativ langen kalten Winterperiode konnten ausreichend Plätze zur Verfügung gestellt werden. Die personellen und räumlichen Kapazitäten sind für kurzfristige Unterbringungen noch ausreichend. Im Bedarfsfall ist eine kurzfristige Unterbringung im Vienna sowie in der Saarbrückener Straße zu nennen (jeweils 24/7 Sicherheitsdienst).

 

  1.      Angebote insbesondere in der kalten Jahreszeit

 

Im Tagestreff „Iglu“ der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten, Wilhelmstraße 85, https://www.diakonie-dwb.de/unsere-angebote/einrichtungen/tagestreff-iglu/ bekommen Wohnungslose eine Mahlzeit und heiße Getränke, können duschen und Wäsche waschen. Die Einrichtung ist auch am Wochenende geöffnet.

 

Zusätzlich bietet der Tagestreff eine wöchentliche ärztliche Notfallsprechstunde an, in der sich Mediziner ehrenamtlich um die medizinische Versorgung der Besucher:innen kümmern.

 

Die Diakonische Gesellschaft Wohnen und Beraten setzt weiterhin Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der aufsuchenden Straßensozialarbeit ein.

 

Die Bahnhofsmission steht ebenfalls als Anlaufstelle zur Verfügung.

 

Zwei Mal wöchentlich geben die Malteser an einem festen Punkt in der Innenstadt Suppe aus. Auch die Initiative HiOb (Hilfe für Obdachlose) des Sozialwerks Gemeinsam für Braunschweig e.V. verteilt zurzeit zweimal monatlich Suppe an drei festen Standorten in Braunschweig sowie in der Wohnungslosenunterkunft An der Horst.

 

 

  1.       Aktuelle Sachstände Unterkünfte

 

Die Stadt unterhält neben der Unterkunft „An der Horst“ mehrere dezentrale Unterkünfte in unterschiedlichster Größenordnung, um den Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen gerecht zu werden. Besonders zu erwähnen sind:

 

  •           Vienna House Easy, Saarbrückener Str. 137

 

Seit Ende September 2025 kann eine Etage im Haus 2 des ehemaligen Hotels Vienna House Easy zur Unterbringung von Wohnungslosen mit ca. 90 Plätzen genutzt werden.

 

Das Konzept sieht hier die Unterbringung von Familiennachzügen zu Geflüchteten mit entsprechendem Aufenthaltsstatus, von Spätaussiedlern nach dem Bundesvertriebenengesetz und von Kriegsvertriebenen aus der Ukraine vor.

 

Die Unterbringung erfolgt in den aufgrund des Hotelbetriebs gut ausgestatteten Zimmern mit eigenem Bad. Jedes Zimmer wurde zusätzlich mit einem Kühlschrank sowie Tisch und Stühlen ausgestattet. Weiterhin wurden zwei Gemeinschaftsküchen mit mehreren Kochgelegenheiten und Spülen zur Selbstversorgung eingerichtet.

 

Vor Ort sind analog den Wohnstandorten für Geflüchtete eine VZ Soziale Arbeit und ein VZ Unterkunftswart. In Abstimmung mit der Abteilung Leistungsgewährung AsylbLG und Unterbringung Geflüchteter konnte hier b.a.w. auch ein Sicherheitsdienst eingesetzt werden, so dass eine 24/7 Erreichbarkeit gewährleistet ist.

 

 

  •           Haus 1 An der Horst

 

Bisher wurde der Brandschaden zurückgebaut. Die Tragstruktur des Gebäudes musste grundsaniert werden, insbesondere die Stahlbetondecken. Dazu mussten die Stähle freigelegt, gesandstrahlt werden und anschließend mit einem Schutzanstrich versehen werden. Anschließend wurde eine neue Betonüberdeckung aufgebracht. Aktuell beginnt der komplette Innenausbau mit Elektro-, Heizungs- und Sanitärarbeiten und den notwendigen Arbeiten an Böden, Wänden und Decken sowie den Fliesen- und Malerarbeiten. Die Arbeiten werden voraussichtlich im Herbst 2026 abgeschlossen.

 

 

  1. Aktionsplan zur Überwindung von Wohnungslosigkeit, weitere Planungen

 

Die Stadt setzt ihr Engagement zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit konsequent weiter fort. Aufbauend auf den bereits umgesetzten Maßnahmen werden die Erstellung eines Aktionsplanes zur Überwindung von Wohnungslosigkeit und damit weitere Schritte geprüft, um die begonnenen Entwicklungen gezielt auszubauen und zu verstärken. 

 

  •           AG Wohnungsnotfälle:
     

Nach Beschluss des Rates (Drs. Nr. 24-24648-01), die Erstellung eines Kommunalen Aktionsplans zur Überwindung von Wohnungslosigkeit zu prüfen, hat sich die im Rahmen des Bündnisses für Wohnen 2015 gegründete und zwischenzeitlich eingestellte AG aus Verwaltung, Wohnungswirtschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen, ehemals AG 2, unter dem derzeitigen Begriff AG Wohnungsnotfälle in ähnlicher Ausgestaltung wieder gebildet.

 

Zum Teilnehmendenkreis gehören aktuell Sozialreferat, Stadtplanung, FB Soziales und Gesundheit, versch. Wohnungsunternehmen, DWB, Cura sowie die Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen.

 

  •           Planung zur Aufstellung von Containern als besondere Wohnform

 

Für die Aufstellung von voraussichtlich zehn Containern (davon fünf barrierearm) wurden bereits zwei Grundstücksabschnitte in unmittelbarer Nähe zur Unterkunft An der Horst bzw. auf dem Grundstück identifiziert. Die Container müssen aufgeteilt werden, da keine ausreichend große Gesamtfläche zur Verfügung steht. Die Nähe zum Standort „An der Horst“ ist aufgrund der 24/7 Anwesenheit von städtischem Personal und Sicherheitsdienst sowie den dort verorteten pädagogischen Mitarbeiter:innen unerlässlich.

 

Aktuell sind noch einige bauordnungsrechtliche Fragen intern abzustimmen.

 

Die finanziellen Mittel sind eingeplant.

 

 

  •           Energetische Sanierung verschiedener Unterkünfte

 

Verschiedene von der NiWo angemietete Unterkünfte werden vom Wohnungsunternehmen auf die Möglichkeit einer energetischen Sanierung überprüft. Einige Unterkünfte werden dieser Überprüfung nicht standhalten und sind damit auf Dauer nicht nutzbar.

 

Zunächst wurde das Gebäude am Wiesenweg mit dem Ergebnis überprüft, dass sich eine Sanierung nicht rechnet und das Gebäude abgerissen werden muss.

 

Die NiWo hat in Zusammenhang mit dem FB 50 bereits einen geeigneten Neubau geplant und ermittelt aktuell die zu erwartenden Kosten. Geplant ist der Neubau auf demselben Grundstück, auf dem die aktuelle Unterkunft errichtet ist, da hier noch ausreichende Flächen zur Verfügung stehen. Sobald der Neubau belegbar ist, können die Bewohner:innen umziehen und das alte Gebäude wird abgerissen.

 

  •           Konzept Krankenwohnungen

 

Das Konzept Krankenwohnungen wurde von der Diakonie Wohnen und Beraten erstellt und befindet sich mit dem FB 50 in der Feinabstimmung. Sobald diese abgeschlossen ist, wird voraussichtlich in Zusammenarbeit mit der NiWo nach geeigneten Wohnungen gesucht. Gespräche hierzu haben bereits stattgefunden.

 

Nach Fertigstellung des Konzepts wird die Verwaltung den AfSG informieren.

 

  •           Ausblick

 

Aus den diversen vorgenannten Maßnahmen wird deutlich, dass ein vielschichtiger Ansatz verfolgt wird, der kurzfristige Unterbringung mit langfristigen Strategien verbindet, um Wohnungslosigkeit nachhaltig zu bekämpfen. Insbesondere prüft die AG Wohnungslosigkeit derzeit die Erstellung eines kommunalen Aktionsplans zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit, der verschiedene Maßnahmen umfasst und diesen ganzheitlichen Ansatz weiter vorantreibt.

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