Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 26-28876
Grunddaten
- Betreff:
-
Ein würdiges öffentliches Gedenken an die in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten Braunschweiger Sinti
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Gruppe BIBS/Robert Glogowski im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Geplant
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Rat der Stadt Braunschweig
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zur Beantwortung
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12.05.2026
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Sachverhalt
Die Sinti lebten seit Generationen in Braunschweig, verteilt auf verschiedene Wohnplätze im Stadtgebiet. Bekannt ist insbesondere ein Siedlungsbereich vor 1929 an der früheren Uferstraße (heute: Am Ölper See) Die Geschichte der Sinti in der Stadt Braunschweig ist historisch kaum aufgearbeitet und beschränkt sich im wesentlichen auf die NS-Zeit.
Ab Mitte 1938 wurden alle Braunschweiger Sinti auf Vorschlag von Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Hesse zwangsweise in ein „Sammellager“ am Sandanger in Veltenhof umgesiedelt. Schon bald lebten dort 244 Sinti in 44 Wohnwagen, kriminalpolizeilich erfasst und überwacht. Die Kinder wurden in einer separaten „Zigeunerklasse“ unterrichtet.
Am frühen Morgen des 3. März 1943 umstellte die Gestapo das Lager. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden ihrer Wertgegenstände beraubt, zum Bahnhof getrieben und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihre Wohnwagen wurden verbrannt. Von 124 namentlich dokumentierten Opfern überlebten nur wenige.
Die Rückkehrer wurden nach 1945 auf einen „Landfahrerplatz“ am Madamenweg verwiesen und mussten jahrzehntelang für Entschädigung und Anerkennung kämpfen.
Seit 2002 trägt eine Erinnerungsstätte im Foyer des Rathausaltbaus die 124 Opfernamen; seit 2018 erinnert eine Informationstafel am Sandanger in Veltenhof an den historischen Lagerort.
Das jährliche Gedenken der Stadt am 3. März beschränkt sich bislang auf eine stille Kranzniederlegung ohne öffentliche Sichtbarkeit und ohne offizielle aktive Einbindung der Sinti-Gemeinschaft.
Die Gruppe BIBS/Robert Glogowski hält dies – angesichts der aktiven Rolle städtischer Amtsträger bei Verfolgung und Ghettoisierung – für nicht angemessen.
Daher fragt die Gruppe BIBS/Robert Glogowski die Verwaltung:
1. Ist die Verwaltung bereit, das jährliche Gedenken am 3. März künftig als öffentliche Veranstaltung auszugestalten – mit offener Einladung an die Stadtgesellschaft, aktiver Beteiligung der Braunschweiger Sinti-Gemeinschaft und des Niedersächsischen Verbands Deutscher Sinti e.V. sowie einer angemessenen Rahmung?
2. Inwieweit plant die Verwaltung, den Gedenkort am Sandanger in Veltenhof unter Einbeziehung der Sinti-Gemeinschaft über die bestehende Informationstafel hinaus dauerhaft aufzuwerten?
3. Welche Maßnahmen plant die Verwaltung, um die Geschichte der Braunschweiger Sinti – einschließlich ihrer Wohnplätze vor der Zwangsumsiedlung nach Veltenhof und des Schicksals der Überlebenden nach 1945 – stärker aufzuarbeiten?
