Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 26-29019-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Zur Anfrage von der Fraktion Bündnis 90 – DIE GRÜNEN [DS-26-29019] vom 19. Mai 2026  nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:

 

Im Gesundheitsamt Braunschweig existieren bereits wichtige Angebote. Diese sind gut sichtbar unter dem Link: https://www.braunschweig.de/leben/gesundheit/gesundheitsamt/beratungsangebot/aids.php.

 

Zu Frage 1:

Bei der Betrachtung von Fallzahlen muss die hohe Dunkelziffer berücksichtigt werden. Dadurch lassen sich die realen Fallzahlen nur bedingt abschätzen und liegen deutlich über denen der nachgewiesenen Infektionen. Insgesamt sehen wir in den letzten 5 Jahren eine ansteigende Tendenz bei den Fallzahlen, die sich nicht nur durch die in den letzten Jahren zunehmende Inanspruchnahme des Testangebots erklären lässt. Die Graphik zeigt eine Übersicht der absoluten Zahlen im Verlauf. Bei der Gonorrhoe sind nicht nur die steigenden Fallzahlen problematisch, sondern auch die zunehmende Verbreitung multiresistenter Varianten, die mit den bisherigen Antibiotika kaum noch behandelt werden können.

 

 

Zu Frage 2:

Folgendes zeichnet das Test- und Beratungsangebot der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit des Gesundheitsamtes aus:

 

niedrigschwellig:
- drei wöchentliche Sprechstunden (davon zwei offene Sprechstunden: keine vorherige Anmeldung notwendig und eine Spätsprechstunde)
- alle Beratungen und Testungen erfolgen anonym
- Beratung in Deutsch, Englisch und Spanisch, ggf. Hinzuziehen von Übersetzern
- eigener Eingang im Seitenflügel
 

umfangreich:
- Blutuntersuchungen auf HIV und Syphilis (einschließlich Bestätigungstests),
Hepatitis A, B und C
- HIV Schnelltests
- Abstrich-Untersuchungen auf alle gängigen Erreger sexuell übertragbarer Infektionen
(als einzige Stelle in Braunschweig außerhalb des GKV-Systems)
- umfassende Beratung zu den Testangeboten und Präventionsmöglichkeiten
- Beratung zur HPV-Impfung

 

kostenlos:
- für Gruppen mit hohem Risiko:
Sexarbeiter*innen
MSM (limitiertes Kontingent)
- kostenlose HIV-Tests für Schüler und Studenten
- darüber hinaus ist ein kostenloses Angebot aus Budgetgründen leider nicht möglich,
bei Teilnahme an einer Studie des Landesgesundheitsamtest wird aber ein reduzierter   Preis angeboten

 

Weiterhin bietet die Beratungsstelle:

Aufklärungsarbeit und spezifische Angebote für Risikogruppen:
- Testaktionen mit Informationsangebot und kostenlosen HIV-Tests
- Informationsangebote bei Veranstaltungen der queer-Szene (u.a. CSD, Men-Women-Dance-Partys)
- aufsuchende Arbeit im Rotlichtmilieu und in Online-Sexarbeits-Portalen
- wöchentliches Beratungs- und Testangebot in den Räumen von Klarissa (Anlaufstelle für Sexarbeiter*Innen in der Nähe der Bruchstraße),
- kostenlose Hepatitis-B-Impfungen für Sexarbeiter*Innen
- Vermittlung von Zugang zur Therapie von nicht-krankenversicherten Menschen mit sexuell übertragbaren Infektionen, dadurch Prävention der weiteren Verbreitung
- Zusammenarbeit und Teilnahme an runden Tischen mit weiteren Beratungsstellen
- Zusammenarbeit mit ärztlichen Berufsverbänden und Anbietern von anderen Aufklärungs-, Beratungs- und Testangebote
- Präventionsveranstaltungen zu HIV und STI in Schulen und außerschulischen Gruppen auf Anfrage

- Unterweisung von Schulen zu eigenständigen Veranstaltungen auf Anfrage

 

Die Aidshilfe Braunschweig bietet ebenfalls Beratung und Testung zu einzelnen STI (HIV, Syphilis, Hepatitis C – alles Schnellteste) an. Momentan sind diese Testungen kostenfrei; ob dies langfristig so bleibt, ist jedoch abhängig von der Finanzlage der Aidshilfe.

 

Auch Pro Familia bietet Beratung zu sexuell übertragbaren Krankheiten an. Dies ist jedoch nicht ihr Schwerpunkt.

 

Zu Frage 3:

Abhängig von den verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen umfasst die strategische Planung und Vision der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit folgende Ziele:

 

Aufklärung und Information über sexuell übertragbare Infektionen und unser Testangebot:
- Ausbau der Vor-Ort-Prävention in Treffpunkten von Menschen aus der Allgemeinbevölkerung und aus Risikogruppen (Bars, Kneipen, Veranstaltungen)
- weiterer Ausbau der aufsuchenden Arbeit in Online-Portalen im Bereich der Sexarbeit
- vermehrte Präventionsarbeit für Schulen und außerschulische Gruppen
- barrierefreiere Gestaltung unserer Website
- Ausbau der Online-Präsenz v.a. in den sozialen Netzwerken

Verbesserter Zugang zu Testangeboten:
- kostenlose Testangebote v.a. für nicht-verdienende/einkommensschwache Bevölkerungsgruppen (z.B. Schüler und Studenten)
- Ausweitung der Sprechstundenzeiten für Berufstätige
- Angebot einer Videosprechstunde

 

Prävention in Risikogruppen:
- Angebot der HIV-PREP (Medikation zur Vorbeugung von HIV-Infektionen bei Risikogruppen) für Nicht-Versicherte zum Selbstkostenpreis in Vorbereitung     

- Verbesserung der Therapieangebote für Nicht-versicherte Menschen, dadurch Prävention der Weiterverbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten
- MPox-Impfungen in Vorbereitung                  

 

Insgesamt sind die Angebote in der Stadt und durch das Gesundheitsamt in Braunschweig bereits gut. Durch einen Personalaufbau und einen finanziellen Ausbau könnten das digitale Angebot (digitale Streetwork, die digitale Erreichbarkeit bestimmter Gruppen durch Anzeigen in spezifischen Netzwerken etc.), durch eine Verstärkung der bereits bestehenden präventiven Arbeit und durch einen gezielten Ausbau der Datenerhebung und Analyse im ÖGD verbessert werden. Die sektorübergreifende Vernetzung wird durch Treffen verstärkt, für die finanzielle Ressourcen bereit gehalten und idealerweise ausgebaut werden müssen. Gemeinsame Aktionen mit anderen Gesundheitsämtern werden koordiniert.


 

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