Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 26-29143
Grunddaten
- Betreff:
-
Sachstandsbericht Förderprojekt "Stillgewässersanierung mit einer minimalinvasiven Methode als Pilotprojekt“ - Änderungsantrag
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün
- Verantwortlich:
- Hanusch
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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16.06.2026
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Sachverhalt
Im Rahmen des Förderprojektes „Landschaftswerte 2.0 - Stillgewässersanierung mit einer minimalinvasiven Methode als Pilotprojekt“ beabsichtigt der Fachbereich Stadtgrün die ökologische Sanierung von vier Stillgewässern im Stadtgebiet (Südteich, Portikusteich, Kiryat-Tivon-Teich und Dowesee) vorzunehmen.
Ziel des Projektes ist die ökologische und strukturelle Aufwertung der Gewässer, insbesondere die Verbesserung der Gewässergüte und Lebensraumqualität sowie die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Eutrophierungseffekten.
Ursprünglich war geplant, die in Rede stehenden Stillgewässer mittels eines technischen Belüftungsverfahren auf dem Teichgrund zu sanieren.
Im Rahmen vertiefter fachlicher Prüfungen sowie nach einer gemeinsamen Ortsbegehung im Herbst 2025 unter anderem mit Vertretern und Vertreterinnen des Seenkompetenzzentrum (SEK) des NLWKN und Vertretern der unteren Wasserbehörde (UWB) wurde festgestellt, dass unter den standortspezifischen Randbedingungen alternative Maßnahmen eine höhere Wirksamkeit und Nachhaltigkeit erwarten lassen. Die vorgesehene Belüftung der Teiche könne demnach lediglich temporäre und punktuelle Effekte erzeugen, aber keine langfristige Stabilisierung der Sedimentverhältnisse oder Veränderung der Nährstoffdynamik erreichen.
In diesem Zusammenhang wurde in Abstimmung mit den oben genannten Fachvertretern und -vertreterinnen beschlossen, die Methodik der Maßnahme anzupassen und einen Änderungsantrag mit Bezugnahme auf den ergangenen Zuwendungsbescheid bei der NBank zu stellen. Der beantragte Projektzweck „ökologische Verbesserung urbaner Stillgewässer mittels innovativer, modellhafter Sanierungsansätze einschließlich Monitoring“ bleibt dabei unverändert bestehen. Lediglich die technische Umsetzung wird auf Grundlage neuer Erkenntnisse angepasst.
Die ursprünglich beantragte Gewässersanierung mittels minimalinvasivem Belüftungssystem soll ersetzt werden durch:
- Schlammumlagerung (interne Sedimentverlagerung) im Südteich und Portikusteich,
- Phosphatfällung (chemische Fällungsmaßnahme) im Dowesee und Kiryat-Tivon-Teich.
Über die geänderte Ausführung ist die Anpassung des Projekttitels in „Stillgewässersanierung als Pilotprojekt“ ebenfalls notwendig und im Zuge des Änderungsantrags ebenfalls beantragt.
Ziel der Maßnahmenanpassung ist eine ökologisch wirksamere, technisch zuverlässigere und dauerhafte Verbesserung der Gewässergüte, die den spezifischen Standortbedingungen besser entspricht. Darüber hinaus werden laufende Betriebskosten und -geräusche minimiert. Die definierten Maßnahmen gewährleisten eine bessere Integration in die örtlichen Gegebenheiten. Die Maßnahmenziele – Verbesserung der Gewässerökologie, Förderung der Biodiversität, Beitrag zum Klimaschutz – bleiben vollständig erhalten und werden durch die Anpassung sogar in höherem Maße erfüllt.
Das ursprünglich bewilligte Vorhaben wurde mit dem Zuwendungszweck „Stillgewässersanierung mit einer minimalinvasiven Methode als Pilotprojekt“ beantragt. Gem. Förderantrag sollte es einen experimentellen Charakter haben und durch ein wissenschaftliches Monitoring begleitet werden.
Diesen Grundgedanken hält der Fachbereich Stadtgrün weiterhin aufrecht, auch wenn das Verfahren angepasst wird. Der experimentelle Ansatz sowie das begleitende Monitoring bleiben Bestandteil des Projekts, um die Wirkung der neuen Maßnahmen zu dokumentieren, fachlich auszuwerten und übertragbare Erkenntnisse für weitere Gewässer zu generieren.
Die geplante Schlammumlagerung im Südteich und Portikusteich sieht eine Verlagerung der weichen Sedimente innerhalb der Gewässer bzw. in den ufernahen Bereichen vor. Hierbei werden belastete bzw. faulige Sedimente vom Teichgrund abgesaugt und in die Uferbereiche oder auf die angrenzenden Grünflächen umgelagert. Dies kann in Teilbereichen beider Gewässer eine Umformung der Uferlinie zur Folge haben. Innerhalb des Teiches werden dazu sogenannte Faschinen errichtet, hinter die der Schlamm gespült wird. Diese Bereiche werden anschließend mit einer mineralischen Abdeckschicht (z. B. Sand oder Kies) gesichert und vom restlichen Teil des Teiches abgegrenzt. Damit das restliche Teichwasser des Wasser-Schlammgemisches zurückgeführt werden kann, werden Drainageleitungen auf Höhe der geplanten Schlammsohle der Ablagerungsfläche verlegt.
Die Phosphatfällung im Dowesee und Kiryat-Tivon-Teich erfolgt durch die Einbringung eines Fällmittels (z. B. Eisen- oder Aluminiumsalze), welches im Wasser gelöstes Phosphat chemisch bindet und in eine schwerlösliche Form überführt. Das gebundene Phosphat wird im Sediment fixiert und steht den Algen und sonstigen Wasserpflanzen nicht mehr als Nährstoffquelle zur Verfügung. Das zu verwendende Fällmittel wird auf Grundlage der Daten der gewässerkundlichen Untersuchungen festgelegt.
Zur Wahrung des experimentellen Projektcharakters ist ein erweitertes Monitoring vorgesehen, welches unter anderem folgende Punkte umfasst:
- Untersuchung der Wirksamkeit der Schlammumlagerung und Abdeckungen,
• Messung der Phosphat-Bindungseffekte und Entwicklung der Wassertransparenz,
• Dokumentation der Sauerstoff- und Nährstoffdynamik,
• Erfassung der Sedimentstabilität,
• ggf. ergänzende vegetationsökologische Untersuchungen,
• Ableitung übertragbarer Empfehlungen für städtische Kleingewässer.
Mit Zuwendungsbescheid vom 05.12.2024 betrugen die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben 1.649.331,00 Euro (brutto).
Nach Konzeptumstellung weist der Ausgaben- und Finanzierungsplan für Personalausgaben, Planungsleistungen, Sachausgaben, Bau- und Baunebenkosten nunmehr Gesamtaufwände von 1.637.247,00 Euro (brutto) aus und bleibt damit knapp unterhalb der ursprünglich bewilligten Summe.
Im Zuge der Voruntersuchungsmaßnahmen wurde ein Umsetzungsplan zur Ausführung der Gesamtmaßnahmen erarbeitet. Im Folgenden dargestellte Zeitschiene ist geplant:
Südteich:
• Voruntersuchungen : Q2 - 2026
• Genehmigungen : Q3 – 2026
• Umsetzung : Q3/Q4 – 2026
Portikusteich:
• Voruntersuchungen : Q2 - 2026
• Genehmigungen : Q3 – 2026
• Umsetzung : Q4 – 2026/Q1 – 2027
Dowesee und Kiryat-Tivon-Teich:
• Voruntersuchungen : Q3 - 2026
• Genehmigungen : Q4 – 2026
• Umsetzung : 2027, abhängig von den Ergebnissen der Untersuchungen
• Monitoring : 2027/28
Aufgrund der zeitlichen Verschiebungen sowie der nachziehender Randbedingungen zur Umsetzung der Maßnahmen wurde vorsorglich die Verlängerung des Bewilligungszeitraums bis zum 31.12.2028 beantragt.
