Beschlussvorlage - 26-28355
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt „Stolpersteine 2026“
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Prof. Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Geplant
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 330 Nordstadt-Schunteraue
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Entscheidung
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12.03.2026
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Sachverhalt
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten jeweils neu zu verlegende Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e.V.“ hat die folgenden Daten zu Selma Senff und Lina Nachod ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Kreuzung Mühlenpfordtstraße/Rebenring (ehemals Hamburger Straße 297), 38114 Braunschweig
Selma Senff
Geboren: 18.04.1883 in Ortelsburg, Ostpreußen
Lebenslauf/Schicksal: Selma Senff besuchte die Volksschule von 1889 bis 1897. Sie began 1899 eine Lehre in einem Unternehmen für Küchengeräte. Von 1903 bis 1913 hatte sie Anstellungen bei verschiedenen Unternehmen in Schönebeck/Elbe, Magdeburg und zuletzt bei Adolf Frank in Braunschweig. Von November 1913 bis 1933 war sie mit einem Geschäft für Haus- und Küchengeräte zunächst in der Gliesmaroder Straße, später in der Hamburger Straße, selbstständig.
Ausbildung/Beruf: Kaufmännische Ausbildung, Inhaberin eines Geschäftes für Haus- und Küchengeräte
Wohnort: ehemalige Hamburger Straße 297
Grund der Verfolgung: sog. Bibelforscherin (Zeugin Jehovas)
Verfolgung: Als sog. Bibelforscherin wurde Selma Senff bereits vor 1933 von den Nazis bedrängt und überschrieb deshalb ihr Geschäft formal einem Nachbarn. Auf diese Weise konnte sie das Geschäft als Geschäftsführerin weiter betreiben und von den Gewinnen leben. Am 31.03.1933 wurde sie von der Gestapo aus ihrem Geschäft gedrängt. Kurze Zeit später erfolgte der Zwangsverkauf (laut Erinnerung von Selma Senff) für 440 Reichsmark an einen Eduard Junga. Von diesem Zeitpunkt bis zum 31.07.1934 lebte sie von Fürsorgeunterstützung. Selma Senff wurde mehrfach verhaftet; am 31.07.1934 zu einem Jahr Gefängnis im Strafgefängnis Braunschweig, am 29.12.1934 für einem Monat im Strafgefängnis Braunschweig, am 14.08.1935 zu vier Monaten Gefängnis. Am 18.07.1937 wurde Selma Senff in das Konzentrationslager Lichtenburg und später weiter in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Dort wurde sie am 29.05.1945 entlassen.
Verlegungsort: Kreuzung Mühlenpfordtstraße/Rebenring (ehemals Hamburger Straße 297)
Grund der Verlegung: Auf Bitte von und Recherche durch Reiner Lüdtke von den Zeugen Jehovas.
Stegmannstraße 22 (ehemals Coronelstraße 22), 38108 Braunschweig
Lina Nachod
Geboren: 10.12.1872 in Leipzig
Lebenslauf/Schicksal: Lina Nachod war das jüngste von vier Kindern (die Geschwister waren zur Zeit der Geburt mit Bertha 19, Adolf 18 und Oscar 14 Jahre alt) des jüdischen Kaufmanns Moritz Nachod und seiner Frau Caroline Nachod, geb. Friedeberg. Als die Mutter starb, war Lina Nachod ein Jahr alt. Sie wuchs mit ihren Brüdern, Adolf und Oscar, und gemeinsam mit den Kindern ihrer 19 Jahre älteren Schwester Bertha auf, die in ähnlichem Alter wie sie waren. Als Lina Nachod 17 Jahre alt war, starb ihr Vater. Sie zog zu ihrem 14 Jahre älteren Bruder Oscar. Lina Nachod hatte Vermögen geerbt und musste deshalb für ihren Lebensunterhalt nicht arbeiten. Ab 1985 lebte sie unter eigener Adresse in Leipzig. Zwischen 1985 und 1900 trat Lina Nachod zum evangelischen Glauben über. Sie adoptierte 1919 die zweijährige Gertrud Nowak. Sie lebten zusammen, bis Gertrud Anfang der 1930er Jahre Gerhard Natzschka heiratete und mit ihm nach Braunschweig zog. Ab 1932 lebte Lina Nachod dann bei ihrem Bruder Oscar und ihrer Schwägerin in Dresden. Als ihr Bruder Anfang 1933 starb, wohnte sie mit ihrer Schwägerin bis zu deren Tod am 01.04.1938 zusammen. Nach der Reichspogromnacht am 09.11.1938 kam Lina Nachod in ein jüdisches Altersheim. Dort fand ihre Adoptivtochter Gertrud Natzschka sie und holte sie Anfang 1939 zu sich nach Braunschweig in die Coronelstraße 22.
Ausbildung/Beruf: ohne berufliche Ausbildung
Wohnort: ehemalige Coronelstraße 22
Grund der Verfolgung: Jüdin
Verfolgung: Ab 1940 erfolgte für Lina Nachod der Zwangsumzug in das sog. Judenhaus Ferdinandstr. 9, dann 1941 der zweite Zwangsumzug in das sog. Judenhaus Meinhardshof 3. Am 17.03.1943 wurde Lina Nachod über Berlin in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 22.06.1943.
Verlegungsort: Stegmannstraße 22 (ehemals Coronelstraße 22)
Grund der Verlegung: Auf Bitte von und Recherche durch die Urgroßnichte Dorothee Jünemann.
