Beschlussvorlage - 26-28888
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2026"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Prof. Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Geplant
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 330 Nordstadt-Schunteraue
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Entscheidung
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04.06.2026
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Sachverhalt
Gem. § 93 Abs. 1 Ziff. 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziff. 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sog. Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten die zu verlegenden Steine jeweils den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e.V.“ hat die folgenden Daten zu Rudolf Löhr ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Taubenstraße 1, 38106 Braunschweig
Rudolf Löhr
Geboren: 23.11.1885
Lebenslauf/Schicksal: Rudolf Löhr besuchte die Volksschule. Ab 1899 ließ er sich zum Eisendreher ausbilden. Nach Abschluss der Ausbildung leistete er den Militärdienst.
Rudolf Löhr war zweimal verheiratet. 1912 heiratete er Marie Kupfer und bekam mit ihr im gleichen Jahr Tochter Hedwig. 1920 wurde das zweite Kind, Sohn Kurt, geboren. Kurt war im Zweiten Weltkrieg Soldat an der Ostfront und galt ab 1944 als vermisst. 1928 heiratete Rudolf Löhr Marie Luise Isermann. Ihr gemeinsamer Sohn Günter wurde 1937 geboren.
Rudolf Löhr bekam früh Anschluss an die sozialistische Arbeiterbewegung und trat 1917 der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) bei.
Während der Novemberrevolution 1918/19 gehörte Löhr zu den prägendsten Akteuren in Braunschweig. 1919 wurde er im Kabinett des USPD-Politikers August Merges zum Volksbeauftragten für Handel und Verkehr berufen.
In der Weimarer Republik war Rudolf Löhr in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) aktiv und arbeitete als hauptamtlicher Parteisekretär u.a. mit Heinrich Jasper zusammen.
Zwischen 1922 und 1930 war er Mitglied im Braunschweiger Landtag.
Neben seinen politischen Ämtern führte er einen Kolonial- und Materialwarenhandel.
Ausbildung/Beruf: Dreher
Wohnort: Taubenstraße 1
Grund der Verfolgung: Als SPD-Politiker von den Nationalsozialisten politisch verfolgt.
Verfolgung: Am 11. März 1933 wurde Löhr von den Nationalsozialisten verhaftet und im Braunschweiger Volksfreundhaus misshandelt, aber wieder frei gelassen. Als Folge darauf verließ er Braunschweig und hielt sich bis Mitte 1934 in Hamburg auf, teils ohne seine Familie. Im August des Jahres 1934 kehrte er dauerhaft nach Braunschweig zurück, eröffnete wieder ein Geschäft und versuchte als Kaufmann den Lebensunterhalt für sich und die Familie, die in der Taubenstraße 1 wohnte, zu verdienen. Im Jahre 1938 verhaftete und verhörte ihn die Geheime Staatspolizei (Gestapo) im Zuge einer Verhaftungswelle gegen ehemalige SPD-Mitglieder. Aus Mangel an Beweisen wurde er wieder freigelassen. Im August 1944 wurde er erneut verhaftet und kam in das Lager 21 in Salzgitter-Hallendorf. Von dort wurde er ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Im Januar 1945 wurde das Männerlager Sachsenhausen nach Bergen-Belsen verlegt. Dort starb Rudolf Löhr im Frühjahr 1945 unter den unmenschlichen Bedingungen der Lagerhaft. Am 8. Oktober 1947 wurde er offiziell für tot erklärt.
Verlegungsort: Taubenstraße 1
Grund der Verlegung: Auf Bitte von Nachkommen und auf Grundlage der Recherche durch die Kinder- und Jugendorganisation „Sozialistische Jugend Deutschands - Die Falken“.
