Betreff: Sachstand Reformierter Friedhof

Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:DEZERNAT VII - Finanzen, Stadtgrün und Sportdezernat   
Beratungsfolge:
Grünflächenausschuss zur Kenntnis
08.03.2017 
Sitzung des Grünflächenausschusses zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:


Geschichtlicher Überblick

 

Der Friedhof der Reformierten Gemeinde gehört zu den ältesten noch vorhandenen Friedhöfen im Stadtgebiet. Er ist Ruhestätte einiger bedeutender Bürger Braunschweigs und enthält im ältesten südlichen Teil eine Reihe bemerkenswerter unter Denkmalschutz stehender Grabmale.

 

Herzog Karl I. schenkte das Gelände außerhalb der damaligen Stadtgrenze an der heutigen Juliusstraße im Jahr 1749 der reformierten Gemeinde, die sich 1704 gegründet hat. Später wurde der Friedhof um angrenzende Flurstücke und weitere Feldländereien erweitert. 1985 wurde eine etwa 500 m² große Fläche dem benachbarten Kindergarten überlassen. Die Belegung endete 1979, die letzten verbliebenen Ruherechte sind im Jahr 2000 ausgelaufen. Im Jahr 2001 ist der entwidmete Friedhof mit einer Größe von rund 6 700 m² eigentumsrechtlich auf die Stadt Braunschweig übergegangen.

 

Der in dieser Zeit sehr verwilderte Friedhof wurde 2005 bis 2006 mit Unterstützung durch die Richard Borek Stiftung auf der Grundlage seiner historischen Strukturen mit dem Ziel saniert, die historische Begräbnisstätte auch als stadtgeschichtliches Kulturgut zu erhalten und dem interessierten Bürger zugänglich zu machen. Dazu sind die noch existierenden Strukturen der Grabanlagen herausgearbeitet und die vorhandenen Denkmale und Grabeinfassungen an ihrem ursprünglichen Ort belassen bzw. wieder hergerichtet worden. Die ältesten im südlichen Grabfeld stehenden Grabsteine wurden restauriert, in eine befestigte Platzfläche gestellt und das Mausoleum baulich instandgesetzt. Die Anlage wurde teilweise neu eingezäunt und die ursprünglich abgetrennte Fläche an der Ecke Juliusstraße/Sophienstraße dem Friedhof wieder zugeordnet. Das Wegenetz ist in seinen Hauptachsen, dem Zugangsweg und dem Mittelweg neu ausgebaut und die wegebegleitenden Linden ergänzt worden.

 

Ein städtisches Bestattungsangebot im Umfeld historischer Grabanlagen

 

Ein Angebot zur Nutzung besonderer Begräbnisplätze im Umfeld historischer Grabanlagen in Braunschweig wird bislang nahezu ausschließlich auf dem Hauptfriedhof des Ev.-luth. Kirchenverbandes vorgehalten.

 


Ein entsprechendes Angebot auf städtischen Friedhöfen gab es bisher nicht. Daher soll der Reformierte Friedhof wieder zu einem würdigen Ort der Erinnerung im Stile eines Quartiersfriedhofs des 18. Jahrhunderts den Braunschweiger Bürgerinnen und Bürgern offen stehen und in Dienst genommen werden. Die Wiederinbetriebnahme des Friedhofes hat der Rat Ende 2015 beschlossen.

 

Beigesetzt werden sollen ausschließlich Urnenaschen in Urnenkapseln aus Materialien, die biologisch abbaubar sind. Die Urnenbeisetzungen finden auf vorhandenen Rasenflächen sowie am Fuße des in Teilen des Friedhofes vorhandenen Altbaumbestandes in Anlehnung an das Konzept der Friedwaldbestattung statt. Optisch wahrnehmbare Grabstätten und Grabmalanlagen sind nicht geplant, um den historischen Friedhofscharakter nicht zu beeinträchtigen.

 

Reformierter Friedhof (Foto: G. Rothe)

Abbildung 1: Reformierter Friedhof, Blick nach Osten

 

Ergänzend werden im historischen Umfeld dieser durch die letzten drei Jahrhunderte geprägten hochwertigen Anlage Stelen aus Sandstein für Urnengrabanlagen errichtet. Von diesen wurden inzwischen zwei Stück realisiert. Sie werden im Bedarfsfall mit einzelnen Bronzetafeln versehen, welche dann an die jeweiligen hier beigesetzten Verstorbenen erinnern.

 

Das Gestaltungskonzept ist vorab mit der Unteren Denkmalpflegebehörde abgestimmt und von dieser genehmigt worden. Mit der Richard-Borek-Stiftung ist das Konzept erörtert worden.

 

Mit den vorzufindenden alten und efeuumrankten Grabmalen, dem alten Baumbestand, den geschwungenen Wegen und den gepflegten Rasenflächen ist hier eine Anlage vorhanden, die über ihre Nutzung als Friedhof hinaus allen Bürgerinnen und Bürgern auch einen Ort der Ruhe und der Kontemplation bietet.

 

 

 

 

Abbildung : Beispiel für eine Sandsteinstele

 

Um dieses neue Bestattungsangebot im historischen Umfeld des Reformierten Friedhofs in Bestatterkreisen sowie allgemein in der Bürgerschaft bekannt zu machen, wurde eine Agentur für Graphikdesign mit der Produktion eines Info- Faltblatts beauftragt. Nach Fertigstellung des Faltblatts soll dieses verbreitet und insbesondere bei den Bestattungsinstituten ausgelegt werden.

 

Die offizielle „Einweihung“ des Friedhofes und Wiederinbetriebnahme ist für Ende April 2017 geplant.


 

 


Anlage/n:

keine