Betreff: Bebauung an der Petrikirche
Nichtoffener Architektenwettbewerb "Wohnen an der Petrikirche"
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:61 Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz   
Beratungsfolge:
Planungs- und Umweltausschuss zur Kenntnis
04.12.2018 
Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
2018-11-22 Anlagen Wohnen an der Petrikirche-Anlage 1
2018-11-22 Anlagen Wohnen an der Petrikirche-Anlage 2
2018-11-22 Anlagen Wohnen an der Petrikirche-Anlage 3

Sachverhalt:

 

Auftrag und Planungsziel

 

Im Zusammenhang mit dem bereits realisierten Neubau der Braunschweiger Zeitung wurde auch über eine Bebauung auf dem gegenüberliegenden Grundstück nachgedacht. Die Freifläche befindet sich zum Großteil im Eigentum der Evangelischen Landeskirche, ein Teilbereich gehört der Stadt Braunschweig. Die Evangelische Landeskirche beabsichtigt für das Kirchenumfeld bereits seit längerem eine Umgestaltung der jetzigen Situation. Da das bestehende Planungsrecht diesem Wunsch entgegensteht, hat der Rat am 27. Februar 2015 den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „An der Petrikirche“, IN 248, gefasst. Die Evangelische Landeskirche hat danach erste Bebauungsstudien vom Architekturbüro Struhk vorgelegt. Inzwischen ist auch der städtebauliche Vertrag unterzeichnet.

 

Das Grundstück wird in Abstimmung zwischen der Verwaltung und der Evangelischen Landeskirche nicht über eine direkte Vergabe, sondern über einen nichtoffenen Architektenwettbewerb „Wohnen an der Petrikirche“ entwickelt. Folgende Braunschweiger Architekturbüros in Kooperation mit einem Landschaftsarchitekten haben Bebauungsvorschläge erarbeitet:

 

1.AHAD Architekten, Braunschweig mit Landschaftsarchitekt Jörg Sieweke, Berlin

2.Architekten Rüdiger, Braunschweig mit Planungsbüro Hoffmann Landschaftsarchitektur GmbH, Brauschweig

3.Ottinger Architekten, Braunschweig mit Chora Blau Landschaftsarchitektur, Hannover

4.Springmeier-Architekten, Braunschweig mit Lohrer Hochrein Landschaftsarchitekten und Stadtplanern GmbH, München

5.Struhk Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH, Braunschweig mit nsp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Hannover

6.Welp von Klitzing Architekten und Stadtplaner PartGmbB, Braunschweig mit CSPHN-Architekten.Landschaftsarchitekt PartGmbB, Kassel

 

Die Arbeitsergebnisse lagen Mitte September 2018 vor und wurden am 9. November 2018 in einer Jury-Sitzung unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Dipl.-Ing. Manfred Schomers, Architekt BDA, bewertet. An der Jurysitzung haben neben Vertretern der Verwaltung aus dem Baudezernat auch Vertreter der Politik und der Evangelischen Landeskirche sowie der Kirchengemeinde teilgenommen.

 

Bei der Zielformulierung für die Studie wurde großer Wert auf einen sensiblen Umgang mit dem baulichen Bestand der Kirche St. Petri, eine angemessene städtebauliche Lösung und eine gute Gestaltung der verbleibenden Freiflächen gelegt.

 

Arbeitsergebnisse

 

Die Arbeitsergebnisse können der Anlage 1 entnommen werden.

 

Der Wettbewerbsauslobung lag der städtebauliche Entwurf des Architekturbüros Struhk Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH zugrunde. Der zu entwerfende Baukörper sollte als straßenbegleitende, maximal fünfgeschossige Bebauung entlang der Langen Straße und der Gördelingerstraße mit einer Bautiefe von ca. 14,00 m entwickelt werden. Eine Abweichung von den Vorgaben der Auslobung wurde unter der Maßgabe einer überzeugenden städtebaulichen Lösung eingeräumt. Die Erschließung des Neubaus sollte ausschließlich über die Straße „An der Petrikirche“ erfolgen.

 

Die Teilnehmer haben die vorgegebenen Rahmenbedingungen unterschiedlich interpretiert. Alle Entwürfe haben eine straßenbegleitende Bebauung entlang der Langen Straße/ Gördelingerstraße vorgesehen. Die Arbeiten von AHAD-Architekten, Struhk-Architekten, Springmeier-Architekten und Ottinger-Architekten halten sich weitestgehend an die oben genannten Vorgaben. AHAD-Architekten lässt den Gebäudeteil entlang der Gördelingerstraße vor der Apsis des Kirchengebäudes enden, während Springmeier-Architekten diesen Gebäudeteil bis zur Straße „An der Petrikriche“ führt, aber die Geschossigkeit im Bereich der Apsis von fünf auf vier reduziert. Auch die Durchlässigkeit der Bebauung zu den verbleibenden Freiflächen wird von den vier Entwurfsverfassern unterschiedlich gehandhabt. Während AHAD-Architekten nur eine Zuwegung zur Kirche und den dazugehörigen Freiflächen über die Straße An der Petrikirche vorsieht, teilt Struhk-Architekten den Gebäudekomplex an der Langen Straße in der Erdgeschosszone entsprechend der vorgesehenen Nutzungsstruktur und bietet über eine angemessene Öff-nung eine Zuwegung von der Langen Straße aus an. Ottinger-Architekten unterteilt die Baumasse erdgeschossig in mehrere Bauvolumina und bietet somit zwei Zugänge von der Langen Straße und einen weiteren von der Gördlingerstraße aus an.

 

Der Entwurf von Struhk-Architekten besticht durch eine expressive Kubatur, die zwischen den unterschiedlichen Gebäudehöhen der Bestandsbauten vermittelt. Leider wird diese Formensprache nicht in eine angemessene Architektursprache übersetzt. Das Preisgericht würdigt diese Arbeit mit dem 2. Preis.

 

Der 3. Preis wird an das Büro Welp von Klitzing vergeben, die die gemachten Vorgaben neu interpretieren. Statt einem L-förmigen Baukörper schlagen die Entwurfsverfasser zwei Wohnhöfe und einen Baukörper westlich vom Hauptportal der Petrikirche vor. Die Bautiefe ist aufgrund des städtebaulichen Ansatzes deutlich größer als bei den anderen Arbeiten, ermöglicht aber dadurch eine niedrigere Geschossigkeit (drei- bis viergeschossig) und eine gute Zonierung der Freiflächen für die zukünftigen Bewohner und das Kirchenumfeld.

 

Zur Weiterbearbeitung empfohlene Arbeit des Büros Rüdiger (Städtebau und Hochbau) und Freiflächen (Büro Hoffmann Landschaftsarchitektur)

 

Der Entwürfe können der Anlage 2 (Städtebau und Hochbau) und 3 (Freiflächen) entnommen werden.

 

Mit dem hochbaulichen Entwurf des Büros Architekten Rüdiger gelingt eine positive und eigenständige städtebauliche Lösung. Die Petrikirche wird durch den Neubau in eine neue Blockstruktur eingebunden. Die U-förmige Bebauung mit einer prägnanten Höhenentwicklung fasst einen meditativ anmutenden geometrisch ausgestalteten Innenhof. Der Baukörper rückt im Westen von der Bestandsbebauung ab. Der dadurch entstehende Freiraum wird als Wegefläche genutzt, die einen Zugang von der Langen Straße unmittelbar auf den Kirchvorplatz der Petrikirche ermöglicht.

Die Fassadengliederung entspricht der Kubatur des Baukörpers und bietet durch eine variable Anordnung von Loggien und Fensterformaten eine moderne und angemessene Formensprache. Die gute Ausnutzung des Grundstücks durch die angedachte hohe bauliche Dichte wird positiv beurteilt. Der Abstand zur denkmalgeschützten Kirche erscheint noch angemessen und vertretbar.

 

Von der Jury wird empfohlen, die unterschiedliche Gebäudeflucht im Erdgeschoss, die zwischen der Bebauung im Westen und im Osten vermittelt, auch in den Obergeschossen fortzusetzen. Die Wohnungsgrundrisse bieten noch Entwicklungspotential. Das Freiraumkonzept kann laut Auffassung der Jury noch an die moderne Formensprache des Gebäudes angepasst werden, wenngleich die angedachte Atmosphäre positiv bewertet wird.

 

Das Planungsbüro nsp-Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aus Hannover, die die Freiraumgestaltung für den städtebaulichen und hochbaulichen Entwurf von Struhk-Architekten konzipiert haben, erhält den ersten Preis für die Freiflächengestaltung. Die Entwurfsverfasser gliedern den Freiraum in sinnvolle Bereiche, deren Zugangszonen als kleine städtische Plätze gestaltet werden. Die Platzflächen befinden sich am Vorplatz der Kirche am Westwerk, im Osten an der Apsis und rund um die Kirche als steinerner, rahmender Teppich. Dem Gemeindesaal ist ein geschützter Freiraum zugeordnet. Die Gestaltung dieses „Gemeindegartens“ in der gewählten Form mittels Heckenpflanzungen wird von der Jury als räumlich nicht schlüssig beurteilt und bedarf im weiteren Verfahren einer Überarbeitung. Besonders gelobt wird die im Bedarfsfall möglich Abtrennung der einzelnen Bereiche.

 

Weiteres Vorgehen

 

Die Ausloberin des Wettbewerbs, die Evangelische Landeskirche, hat die Arbeitsergebnisse im Rahmen der Preisverleihung am 14. November 2018 in den Räumen der Petrikirche vorgestellt. Die Braunschweiger Zeitung hat in der Ausgabe vom 16. November 2018 den Preisträger mit dem Hinweis auf die Ausstellung veröffentlicht.

 

Es wird davon ausgegangen, dass die Evangelische Landeskirche den Siegerentwurf gemeinsam mit dem Preisträger für die Freiflächengestaltung beauftragt. Danach wird entsprechend den Hinweisen des Preisgerichts eine Überarbeitung erfolgen und der Grundgedanke des Preisträgers für die Freiflächengestaltung, die für einen anderen hochbaulichen Entwurf konzipiert wurde, an den hochbaulichen Entwurf des 1. Preisträgers angepasst. Der Entwurf von Architekten Rüdiger bildet dann die Grundlage für die Festsetzungen im Bebauungsplan.

 

 


Anlage/n:

Anlage 1:Ergebnisse des nichtoffenen Architektenwettbewerbs „Wohnen an der Petrikirche“

Anlage 2:   Siegerentwurf des Büros Architekten Rüdiger, Braunschweig

Anlage 3:   Siegerentwurf Freiflächengestaltung, nsp-Landschaftsarchitekten und

Stadtplaner, Hannover
 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 2018-11-22 Anlagen Wohnen an der Petrikirche-Anlage 1 (1000 KB)    
Anlage 2 2 2018-11-22 Anlagen Wohnen an der Petrikirche-Anlage 2 (701 KB)    
Anlage 3 3 2018-11-22 Anlagen Wohnen an der Petrikirche-Anlage 3 (647 KB)