Rat und Stadtbezirksräte
15.03.2022 - 3.2 Sachstandsbericht Radschnellwege / Status Regio...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3.2
- Datum:
- Di., 15.03.2022
- Status:
- gemischt (Sitzung abgeschlossen)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Wortprotokoll
Ausschussvorsitzende Ratsfrau Kluth begrüßt zu diesem TOP vom Regionalverband Großraum Braunschweig (RGB) Herrn Bier (Radschnellverbindungen) sowie Frau Witte (Regionales Radverkehrskonzept).
Herr Bier stellt den aktuellen Stand der Planung der Radschnellverbindungen in der Region Braunschweig anhand einer Powerpoint-Präsentation dar.
Ratsfrau Kluth bedauert vor dem Hintergrund der Mobilitätswende und der Klimaneutralität der Städte, dass noch viele Jahre bis zur Befahrbarkeit der Strecken vergehen werden. Sie erinnert an eine gemeinsame Veröffentlichung der Oberbürgermeister von Braunschweig und Wolfsburg, die vor einigen Jahren eine Befahrbarkeit der Strecke Braunschweig – Wolfsburg für das Jahr 2022 ankündigten. Dies ist zwar grundsätzlich möglich, nicht jedoch auf einem Radschnellweg.
Herr Bier ergänzt, dass der Fördermittelgeber eine neue Potentialanalyse Radfahrende für den Förderantrag verlangt hat, die streng nach den Vorgaben des 2019 erschienenen Leitfadens Radschnellwege der Bundesanstalt für Straßenwesen erarbeitet ist. Dazu wird ein Verkehrsmodell-Rad benötigt, das mittels Radverkehrszählungen im betreffenden Korridor erstellt wurde. Das Verkehrsmodell wird im weiteren Planungsverlauf eingesetzt, um mögliche Varianten zu vergleichen und so die bestmögliche Entscheidung treffen zu können. Der hierfür erforderliche Mehraufwand ist aus seiner Sicht sinnvoll.
Unter Verweis auf die Radschnellverbindung Darmstadt – Frankfurt informiert Herr Bier, dass dort nicht die gesamte Strecke, sondern Teilabschnitte gebaut werden, wodurch in Abstimmung mit den betroffenen Kommunen/Landkreisen möglicherweise Planfeststellungsverfahren entbehrlich werden. Dieses Vorgehen erfordert mehrere Antragsverfahren bei mehreren Gebietskörperschaften und unterschiedliche Förderanträge bei den beiden Fördermittelgebern Bund und Land. Insgesamt ist dies aber eine Option und könnte zu einer Fertigstellung einzelner sinnvoller Abschnitt weit vor dem Jahr 2030 gerade dort führen, wo hohe Potenziale generiert werden und schnell sichtbare Ergebnisse ermöglichen.
Nach seiner Auffassung werden nur die allerwenigstens die Radschnellverbindung beispielsweise vom Wohnort Braunschweig zum Arbeitsplatz in Wolfsburg nutzen. Die höchsten Potenziale für Radschnellwege bestehen in den Innenstädten und bieten dort der Bevölkerung im Binnenverkehr eine sehr gute, hochqualitative Infrastruktur. Im Gegensatz dazu nimmt das Potenzial im Bereich von Lehre hingegen deutlich ab.
Ratsfrau Arning nimmt Bezug auf die Aussage, wonach auch künftig ein größerer Personenkreis nicht mit dem Fahrrad von Braunschweig nach Wolfsburg fahren wird. Sie ist der Ansicht, dass dies sehr wohl der Fall sein wird, wenn die Möglichkeiten vorhanden sind und ein entsprechend guter Weg zur Verfügung steht. Sie bittet um Auskunft zur (Zeit-)Planung der anderen Strecken wie z. B. nach Gifhorn.
Herr Bier bestreitet nicht, dass Personen mit dem Fahrrad von Braunschweig nach Wolfsburg (24 km) fahren. Er schränkt jedoch ein, dass der tatsächliche Radius der Radfahrenden nach empirischen Untersuchungen im Bereich von 4 bis 5 km liegt. Mit Pedelecs hat sich der Radius zwar deutlich erweitert, aber ab etwa 6 bis 8 km nimmt der Anteil Radfahrender deutlich ab.
Hinsichtlich der Frage weiterer Radschnellwege erklärt er, dass die Verbindung Braunschweig – Vechelde im Jahr 2011 als Strecke mit hohem Potenzial identifiziert wurde. Das Land Niedersachsen hat das errechnete Potential jedoch kritisch hinterfragt. Die Planung wurde daraufhin hinter die beiden laufenden Projekte Radschnellverbindungen zurückgestellt. Herr Bier kündigt an, dass das Ergebnis mit dem kalibrierten Verkehrsmodell-Rad nochmals überprüft werden soll.
Zur Frage nach einer Radschnellverbindung Gifhorn – Wolfsburg: Es soll im Förderantrag die Anbindung des neuen Automobilwerks Elektroauto an die Radschnellverbindung Braunschweig-Lehre-Wolfsburg aufgenommen werden; auf Wunsch der Stadt Wolfsburg und des Fördermittelgebers. Über den Standort des Werks wird im März 2022 endgültig entschieden. Inwieweit sich ein Gewerbestandort neues Volkswagenwerk auf eine mögliche Entwicklung einer Radschnellverbindung Gifhorn – Wolfsburg auswirkt, vermag Herr Bier noch nicht zu beantworten.
Protokollnotiz: Die Radschnellverbindung Braunschweig – Gifhorn steht im Bewertungsraster der potenziellen Radschnellverbindungskorridore auf Platz 5 mit einer Punktebewertung von +1,5. Die beiden zum Bau vorgesehenen Verbindungen Braunschweig – Wolfenbüttel und Braunschweig – Salzgitter haben in der Gesamtbewertung +4 Punkte. Auch die Verbindung - Braunschweig – Vechelde und Braunschweig – Schwülper sind mit +2 Bewertungspunkte besser bewertet. Die Priorität der Planung richtet sich nach der Bewertung und dem erschlossenen Potenzial an Radfahrenden: BS_Lehre_WOB.
Bürgermitglied Schroth äußert die dringende Bitte, dass die Mobilitätsverbände kontinuierlich in die Planungen eingebunden und auch die Öffentlichkeit zum Sachstand der Überlegung zur Umsetzung der Radschnellwege informiert werden.
Herr Bier erklärt, dass die Öffentlichkeitsarbeit ebenso bedeutend ist wie die inhaltlich-planerische Arbeit. Eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit sagt er zu.
Auf Nachfrage von Bürgermitglied Tokhi zur Ermittlung des Jahresdurchschnittswerts, der sich durch unterschiedliche Nutzungsintensität des Fahrrads im Sommer und Winter ergibt, erläutert Herr Bier die Berechnung anhand eines Beispiels. Hinsichtlich der Verlagerung von alternativen Strecken auf den Radschnellweg und tatsächlich neu generierter Radfahrende, die das Verkehrsmittel gewechselt haben, schätzt Herr Bier im Bereich von 40 bis 60 Prozent ein. Bedeutend für die Akzeptanz des Radschnellwegs ist zudem die Verfügbarkeit von Zubringer-Wegen.
Protokollnotiz: Die Radschnellverbindung Braunschweig – Lehre - Wolfsburg generiert gemäß der Potenzialanalyse-neu, 8.100 zusätzliche Radfahrten, die die Radschnellverbindung in unterschiedlich langen Teilabschnitten befahren. Gegenüber dem Analysefall Ohne Radschnellverbindung.
Ratsherr Kühn bedauert den großen Umfang der Planungszeiträume. Er greift den Hinweis zum Bau von Teilabschnitten auf und fragt, ob dies auch vom RGB beabsichtigt ist. Aus seiner Sicht ist von Interesse, die Braunschweiger und Wolfsburger Abschnitte vom Gesamtprojekt zu entkoppeln und vorzuziehen.
Herr Bier verweist, dass es sich hierbei um eine relativ neue Idee handelt. Ob diese auch in der Region Braunschweig umsetzbar ist, ist noch unklar. Fakt ist, dass entsprechend dem Förderbescheid die gesamte Strecke des Radschnellwegs gebaut werden muss.
Frau Witte stellt den aktuellen Status des Regionalen Radverkehrsnetzes anhand einer Powerpoint-Präsentation dar.
Protokollnotiz: Die in der Sitzung gezeigten Präsentationen wurden im Nachgang der Sitzung in die Sitzungsunterlagen eingebunden.
Protokollnotiz: Ausschuss-Vorsitzende Ratsfrau Kluth unterbricht die Sitzung von 16.34 bis 16.40 Uhr für eine Sitzungspause.
Anlagen
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