Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 19-11819
Grunddaten
- Betreff:
-
Sachstandsbericht zum Freiraumentwicklungskonzept
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 61 Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz
- Verantwortlich:
- Leuer
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Planungs- und Umweltausschuss
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zur Kenntnis
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30.10.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Anlass
Anlässlich der Wiederaufnahme des Verfahrens zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes hat die Verwaltung nach Vorberatung durch den Planungs- und Umweltausschuss und Beschlussfassung durch den Verwaltungsausschuss (DS 17-06105) am 7. März 2018 die „Gruppe Freiraumplanung – Freiraumplanung Ostermeyer und Partner mbB Landschaftsarchitekten“, Langenhagen, mit der Erarbeitung eines Freiraumentwicklungskonzeptes (FREK) für die Stadt Braunschweig beauftragt.
Aufgabenstellung und Methodik
Mit dem Freiraumentwicklungskonzept wird für das Stadtgebiet Braunschweig ein zukunftsorientiertes Bild der Freiraumstruktur entworfen, das die aktuellen Anforderungen an die städtischen Freiräume, die insbesondere durch Klimawandel und Artensterben wie auch durch die anhaltende Inanspruchnahme von Freiflächen/ Nachverdichtung („Doppelte Innenentwicklung“) zu stellen sind, aufnimmt und mit den klassischen Freiraumfunktionen wie insbesondere Naherholung und Freizeitnutzung, Stadtgliederung und -gestaltung und stadtklimatische Wirksamkeit zusammenführt. Das Freiraumentwicklungskonzept liefert in diesem Verständnis Grundlagen für die perspektivische Sicherung, Qualifizierung und Entwicklung der Grün- und Freiräume in Braunschweig.
Als informelles Planungsinstrument wird das FREK für die Arbeit der Verwaltung insbesondere folgende Verwendungsmöglichkeiten bereitstellen:
- Fachgutachterliches Konzept als Steuerungsinstrument für die strukturelle Freiraumsicherung und -entwicklung im Zusammenspiel mit anderen Fachplanungen
- Einbringen von freiraumbedeutsamen Grundlagen in die aktuelle Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes
- Mitwirkung in den Verfahren zur Aufstellung von Bebauungsplänen
- Handlungsempfehlungen zur Entwicklung städtischer Freiräume
Methodisch gliedert sich das Freiraumentwicklungskonzept in drei Bearbeitungsschritte:
- Bestandsaufnahme der Freiräume im Stadtgebiet
- Bestandsanalyse unter quantitativen und qualitativen Aspekten
- Konzept auf der Ebene der Gesamtstadt und der 19 Stadtbezirke (Leitbild, Freiraummodell, teilräumliche Freiraumentwicklungskonzepte, Leitprojekte)
Sachstand der Bearbeitung
Bestandsaufnahme
Im Rahmen der Bestandsaufnahme wurden sämtliche Freiräume der Stadt Braunschweig auf Basis der städtischen Realnutzungskarte und ergänzender Fachdaten aus den Organisationseinheiten differenziert erhoben. Durch die Entschichtung, bei der jeweils einzelne Flächennutzungen und Freiraumtypen aus den Bestandsdaten separiert und thematische Layer bzw. Karten erzeugt wurden, wird die räumliche Verteilung und Ausdehnung von Freiräumen und Potentialflächen im Stadtgebiet in funktionaler Differenzierung ablesbar. Betrachtet wurden in dieser Form Park- und Grünanlagen, Spiel- und Sportflächen, Kleingärten, Friedhöfe, Landschaftsflächen (Wald, Gewässer, Acker- und Grünland), Flächen mit Wohn- und Gewerbenutzung, Verkehrsflächen und Sondernutzungsflächen. Im Ergebnis liegt damit eine differenzierte Übersicht über Flächennutzungen und Freiraumtypen im Stadtgebiet vor.
Bestandsanalyse
In der Bestandsanalyse werden die in der Bestandsaufnahme erfassten Freiräume im Hinblick auf quantitative und qualitative Aspekte des Freiraumangebotes untersucht und bewertet.
Kern der Quantitativen Analyse ist die Untersuchung von Freiraumverfügbarkeit und Freiraumerreichbarkeit. Dazu werden schwerpunktmäßig die öffentlichen Grün- und Parkanlagen daraufhin analysiert, inwieweit sie in Abhängigkeit von den jeweiligen Wohnstandorten in der Stadt und in Korrelation mit statistischen Daten zur Bevölkerung verfügbar (Betrachtungsebene statistische Bezirke) und für die Bürgerinnen und Bürger mit angemessenem Zeitaufwand erreichbar sind. Darüber hinaus wird die Erreichbarkeit spezieller Freiraumangebote betrachtet, insbes. die Erreichbarkeit von Spielflächen für Kinder und Jugendliche, aber auch von Kleingärten und Friedhöfen im Hinblick darauf, dass diese bei geeigneten Voraussetzungen auch als allgemeiner Erholungsraum fungieren und das Angebot an öffentlichen Grün- und Parkanlagen insofern ergänzen können.
Ergänzt werden die Ergebnisse des ersten Analyseschrittes in einer Qualitativen Analyse um die Auswertung weiterer spezifischer Freiraumkategorien und -systeme. Betrachtet werden dabei nicht nur Freiräume mit Funktionen für die Freizeit und Erholung der Stadtbevölkerung, sondern ebenso Freiraumsysteme mit insbesondere ökologischen, schutzgebietsbezogenen, klimatischen, gesundheitswirksamen und stadtgliedernden Funktionen. Herangezogen werden in der qualitativen Analyse u. a. Flächen mit besonderen Freiraumfunktionen gemäß ISEK, Ruhige Bereiche gemäß Lärmaktionsplan Braunschweig, Flächen mit besonderen klimatischen Funktionen gemäß Stadtklimaanalyse Braunschweig 2017, Überschwemmungsgebiete, Schutzgebietsflächen nach Naturschutzrecht und Flächen des städtischen Biotopverbundkonzeptes. In der Zusammenschau können so Flächen und Ausprägungen für ein thematisch, funktional und gestalterisch differenziertes und damit multifunktionales Freiraumsystem identifiziert werden.
Die Erkenntnisse aus der Bestandsanalyse zu Stärken und Schwächen wie auch zu besonderen Funktionen und Potentialen in der gesamtstädtischen Freiraumstruktur werden Grundlage für die Konzeptphase.
Konzept
Die Konzeptphase gliedert sich in die drei Bearbeitungsebenen Leitbild, Freiraummodell und teilräumliche Freiraumentwicklungskonzepte auf der Ebene der Stadtbezirke.
Das Leitbild greift die bisherigen planerischen Überlegungen zur Freiraumentwicklung auf und ergänzt sie um aktuelle und zukunftsorientierte Anforderungen an die Freiräume im Sinne einer multifunktionalen und ökologisch wirksamen Grünen Infrastruktur. Hier sind neben weiteren Themen beispielhaft die Anpassung an die Folgen des Klimawandels, Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt und die zunehmende Bedeutung der Freiräume für die Gesundheit zu nennen.
In den Überlegungen zum Leitbild werden drei Raumkategorien in ihrer Abfolge von der Innenstadt bis zur Peripherie unterschieden, die das Stadtgebiet in drei idealisierte konzentrische Teilräume gliedern:
- den Kernraum, räumlich gefasst von der Okerumflut mit den grünen Wallanlagen als ringförmige Begrenzung, geprägt von der historischen Altstadt mit ihrer sehr hohen Dichte und spezifischen Bau- und Nutzungsstruktur
- den Stadtraum als der die Altstadt umgebende, von Bebauung und Infrastruktur durchzogene Stadtkörper bis zur Peripherie, geprägt von der Vielfalt städtischer Nutzungen unterschiedlichster Dichte, durchsetzt von zahlreichen Freiräumen der verschiedenen Kategorien Park- und Grünanlagen, Kleingärten, Friedhöfe, Spiel- und Sportanlagen
- den Kulturlandschaftsraum als Übergang vom baulich dominierten Stadtkörper zur umgebenden Landschaft, geprägt von land- und forstwirtschaftlichen Nutzungen, gleichzeitig der Erholung dienend und von zahlreichen Infrastrukturtrassen durchzogen.
Die beschriebenen Raumkategorien werden ergänzt um eine überlagernde Ebene der Raumfunktionen, d. h. mit Flächenkulissen, die sich nach funktionalen Aspekten bilden.
Auf Basis des Leitbildes wird im Weiteren das städtische Freiraummodell der „Ringe und Achsen“ ergänzt und zukunftsorientiert fortgeschrieben. Der charakteristische und für ein einprägsames Bild notwendige Abstraktionsgrad wird beibehalten.
Im dritten Schritt der Konzeptphase werden die Ziele der Freiraumentwicklung mit Handlungsempfehlungen für die Stadtbezirksebene in teilräumlichen Freiraumentwicklungskonzepten detailliert.
Ausblick
Nachdem Bestandsaufnahme und -analyse nunmehr weitgehend abgeschlossen sind, soll im Weiteren konkret in die Konzeptphase eingestiegen werden. Dem vorangestellt ist als erster Schritt der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Online-Befragung der Bürgerinnen und Bürger beabsichtigt. Hierüber soll ein möglichst breites Meinungsbild zum derzeitigen Freiraumangebot im Stadtgebiet sowie zu Wünschen und Ideen für die Zukunft eingeholt und als weiterer Input für die Konzeptphase ausgewertet werden.
Hinweis
In der Sitzung erfolgt eine Präsentation zum Freiraumentwicklungskonzept mit Erläuterung durch das beauftragte Büro „Gruppe Freiraumplanung – Freiraumplanung Ostermeyer und Partner mbB Landschaftsarchitekten“, Langenhagen.
