Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 19-09898-02
Grunddaten
- Betreff:
-
Umsetzung Altenhilfeplan in Leiferde und Stöckheim
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 50 Fachbereich Soziales und Gesundheit
- Verantwortlich:
- Dr. Arbogast
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 211 Stöckheim-Leiferde
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zur Kenntnis
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05.03.2020
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Die Verwaltung hatte die Anfrage des Bezirksrates 211 zur Sitzung vom 29. Januar 2019 (Drs. Nr. 19-09898) mit dem Vorschlag beantwortet, nach dem bisherigen Verfahren zur Umsetzung der Altenhilfeplanung vorzugehen:
Die Vorstellung der Altenhilfeplanung durch die Verwaltung und das geplante Verfahren zur Umsetzung erfolgt in einer Bezirksratssitzung. Im Anschluss daran kann bei Interesse ein Arbeitskreis aus z.B. Politik, Fachleuten vor Ort und der Bürgerschaft mit Begleitung durch die Verwaltung gebildet werden. Dieser ermittelt aus den Gesamtzielen der Altenhilfeplanung die für den Stadtbezirk in Frage kommenden Ziele sowie die Bedarfe vor Ort für die ältere Generation, ggf. anhand der aufgezeigten Defizite aus der Stadtteilanalyse. Diese werden dann dem Bezirksrat vorgestellt und das politische Gremium entscheidet, welche umgesetzt werden sollen.
Nach diesem Verfahren wurde vorgegangen.
Der Arbeitskreis hat in mehreren Sitzungen getagt und kam zu folgenden Ergebnissen:
- Stöckheim wird in der Versorgung relativ gut bewertet, es besteht einhellig die Auffassung, dass kein akuter Handlungsbedarf vorliegt.
- Der Stadtteil Leiferde wurde von allen Beteiligten als vordringlich handlungsbedürftig für die Umsetzung von Maßnahmen eingeschätzt.
- Defizite werden übereinstimmend bei der medizinischen Versorgung, der Mobilität und der Infrastruktur gesehen. Erschwerend ist der Umstand, dass der Zugang zum Stadtteil beeinträchtigt ist. Die Brücke ist nicht passierbar, wann der Zustand behoben sein wird, ist derzeit nicht zu terminieren.
Folgende Vorschläge wurden erarbeitet, die nunmehr dem Stadtbezirksrat zur weiteren Diskussion vorgelegt werden.
Medizinische/Therapeutische Versorgung
- Leiferde direkt ist von der Versorgung abgeschnitten und muss sich nach Stöckheim oder Rüningen zwecks hausärztlicher Versorgung orientieren. Dies gilt auch für die therapeutischen Versorgungsmöglichkeiten. (Anmerkung: Lt. Erfahrungen aus der AG soll die Ärzteschaft in Rüningen die Aufnahme von Patienten ablehnen.)
- Das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung ist zu suchen, um Möglichkeiten der Versorgung auszuloten. Eine neue Praxisansiedlung in Leiferde ist nicht möglich. Die Möglichkeit von Hausbesuchen von physiotherapeutischen Fachkräften ist abzuklären und zu nutzen.
- Zu klären wäre der Aufbau einer Praxisdependence, oder eine „Notsprechstunde aus dem Koffer“ ohne direkte Praxisräume. Hierzu wäre das Gespräch mit der KV und der Ärzteschaft in Stöckheim zu suchen.
- Medizinische Fachangestellte, die als VERAH® (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) geschult wurden, können durch Hausbesuche und die Übernahme koordinierender Aufgaben im Rahmen des Fallmanagements den Hausarzt*in bei der Versorgung der älteren und multimorbiden Patientinnen und Patienten unterstützen und entlasten. Auch hierzu wären Gespräche zu führen, sowohl mit der KV als auch mit der Ärzteschaft, inwieweit es eine Lösung für Leiferde bedeuten kann.
- Unklar ist noch, welche Optionen die Digitalisierung mit sich bringen kann, ob z.B. Videokonferenzen als Modell einzurichten sind, Telemedizin oder ähnliche Hilfen ermöglicht werden. Hierzu ist noch inhaltlich Vertiefung erforderlich, bevor über Umsetzungsmöglichkeiten gesprochen werden kann
- Kollektiv organisierte Arztbesuche/Termine Physiotherapie mittels Fahrdiensten/Taxen (geteilte Kosten) könnten eine vorübergehende Entschärfung der problematischen ÖPNV Situation bedeuten. Eine verantwortliche Person muss gefunden werden, die ggf. organisiert und koordinierend tätig wird.
Mobilität
- Eine Mitfahrbank soll eingerichtet werden. Eine Mitfahrbank ist eine Sitzbank, die im öffentlichen Raum aufgestellt ist. Die Nutzung der Mitfahrbank soll die Mobilität verbessern. Das Platznehmen auf dieser Bank signalisiert, dass auf eine spontane, kostenfreie Mitfahrgelegenheit im PKW zu einem bestimmten Ziel gehofft wird.
- Die Bänke bestehen meist aus Holz oder Metall, sie werden normalerweise an viel befahrenen Straßen aufgestellt. Eine auffällige Farbgebung und Beschilderung, die von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ausfallen kann, unterscheidet die Mitfahrbank von der klassischen Sitzbank. Manchmal werden auch Schilder mit der Zielrichtung angebracht.
- Für Leiferde wäre es z.B. denkbar, das Angebot so für den Stadtteil zu konzipieren und aufzubauen, dass die Bekanntheit innerhalb des Ortsteiles Leiferde dazu führt, sich ausschließlich untereinander mitzunehmen.
Es soll ein Einkaufsbegleitdienst nach dem Beispiel des Stadtbezirks Lehndorf-Kanzlerfeld eingerichtet werden: Der Dienst wird zweimal wöchentlich nach Voranmeldung angeboten, einmal am Vor- und einmal am Nachmittag. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer holen die älteren Menschen zu Hause ab, begleiten den Einkauf, bringen die Senior*innen wieder nach Hause und helfen beim Ausladen. Kosten entstehen derzeit in Höhe von 30 Cent je gefahrenem Kilometer. Aufgrund der Ehrenamtlichkeit kann das Angebot nicht alle Fahrten garantieren. Fahrt und Nutzung sind versichert. Träger ist der Verein ambet in Kooperation mit dem Forum Älter werden. Die Einrichtung eines Einkaufsbegleitdienstes nach dem Modell des Stadtbezirkes Lehndorf –Kanzlerfeld könnte die Mobilität steigern. Es wäre zu prüfen, ob Kooperationen möglich sind, z.B. zwischen Wohlfahrt und Nachbarschaftshilfe, bzw. anderen potenziellen Partnerinnen und Partnern.
- Eine direkte Einflussnahme auf Linien und Taktungen des ÖPNV ist nicht gegeben. Rückmeldungen an ÖPNV sollten trotzdem immer erfolgen, damit Wissen um als Missstände empfundene Gegebenheiten entstehen kann. Bei Planungen kann sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Blick auf Bedarfe von Stadtrandlagen geschärft wird.
Infrastruktur
- Die Idee, ein „Pop up“ Café zu veranstalten, wurde beleuchtet. Eventuell ließen sich vorhandene Räume nutzen. Es wird angerregt, weiter darüber nachzudenken.
- Das Fehlen von Begegnungsmöglichkeiten /Nachbarschaftszentren führt dazu, dass die Menschen immer weniger voneinander und vom Geschehen im Ort wissen. Es wird aufgezeigt, dass es wichtig ist, Gemeinschaft zu stärken, Begegnung zu fördern sowie Unterstützungspotenziale zu erkennen und zu stärken. Wünschenswert wäre es, einen Ort für Begegnung direkt in Leiferde zu haben.
- Die Ertüchtigung der Sportanlage zu einer barrierefreien Einrichtung wird gewünscht. Dort könnten dann Angebote für Prävention zwecks Erhalt der Gesundheit/ Mobilität stattfinden, die für alle Generationen zugänglich wären.
- Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Dingen des täglichen Lebens ist im Stadtteil Leiferde direkt nicht mehr möglich. Es wird vermutet, dass ein Geschäft sich nicht rentiert. Die Stärkung mobiler Geschäfte/Läden könnte Erleichterung bringen. Welche Bedarfe hier bestehen, ist nicht bekannt. Unter Umständen könnten alternative Angebote hier schon die Problemlösung darstellen (Begleitdienste). Die Idee wird eingebracht, die Packstationen auch für Lebensmitteleinkäufe zu nutzen. Es sollten Orte benannt werden, an denen gut erreichbare Packstationen installiert werden können. Die Einzelhändler deponieren dort die bestellten Waren, die Kundschaft kann dann aus ihren Fächern die Ware abholen.
- Die Nachbarschaftshilfe ist stärker in Leiferde zu verorten. Ehrenamtliche sollten direkt aus Leiferde kommen, um die Unterstützung überhaupt anbieten zu können.
Wohnen
- Zum Thema Wohnen im Alter wird angemerkt, dass es wünschenswert wäre, für Pflegebedürftige ein Angebot vor Ort zu haben, z.B. eine Pflegewohngruppe, eine Tagesbetreuung sowie eine kleinere Einheit betreuten barrierefreien Wohnens. Solange die Versorgung in der eigenen Häuslichkeit möglich ist, wird dies jedoch als nicht so drängende Problemstellung bewertet.
- Priorität hätte hier die Einrichtung einer Tagesbetreuung. Möglicherweise ist die Schaffung eines niedrigschwelligen Betreuungsangebotes auch schon ausreichend. Dies ist noch vertieft zu betrachten, sowohl von der Bedarfslage ausgehend als auch von den möglichen Rahmenbedingungen.
Übergreifendes
- Grundsätzlich wird festgestellt, dass es einfacher werden muss, Einrichtungen sektorenübergreifend zu nutzen. Mischnutzungen sind zu vereinfachen (z.B. Kita, Seniorentagesstätte, Feuerwehrhaus, usw.)
- Das Thema „Mehr voneinander wissen“ wurde in verschiedenen Kontexten immer wieder angesprochen. Der Aufbau eines Dorf-Webs wäre ein Ansatz, Informationen schnell und gezielt für die Bewohnerschaft zu verbreiten. Diese Idee könnte weitergedacht werden.
- Der Einsatz einer/eines „Dorfmanagerin/Kümmerers“ wurde diskutiert und ist denkbar.
- Die Arbeitsgruppe priorisiert bei den Umsetzungsvorschlägen zunächst die Einrichtung einer Koordinationsstelle (Dorfmanagerin/Kümmerer) gefolgt von der Umsetzung der Maßnahmen zur medizinischen Versorgung.
Unter Bezug auf den Ratsbeschluss aus 2006 (Drs. 10540/06) wird darauf hingewiesen, dass die die Umsetzung konkreter Einzelmaßnahmen von zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln abhängt.
Viele der vom Arbeitskreis herausgearbeiteten Aspekte haben einen direkten Bezug zu den Prozessen der Aufstellung eines Bedarfsplans Nachbarschaftszentren sowie zur Altenhilfe- und Pflegeplanung. Beide Prozesse werden aktuell durch die Verwaltung bearbeitet und es besteht die Möglichkeit Vorschläge darin einzubetten.
