Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 21-15338
Grunddaten
- Betreff:
-
Stadtfriedhof neuer Teil, Abteilung "sogenannter Ausländerfriedhof - Ruhestätte der Opfer des Nationalsozialismus" - Gesamtkonzept
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Beteiligt:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Verantwortlich:
- Herlitschke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Grünflächenausschuss
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Vorberatung
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25.03.2021
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Vorberatung
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Erledigt
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Rat der Stadt Braunschweig
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Entscheidung
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11.05.2021
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Sachverhalt
Am 4. September hat der Rat der Stadt Braunschweig die Verwaltung beauftragt, ein angemessenes Gestaltungskonzept für die Abteilung „Ausländerfriedhof“ des Stadtfriedhofs am Brodweg zu erarbeiten, die Kosten zu ermitteln und dem Rat zur Beschlussfassung vorzulegen (DS 18-08777).
Nach einer Reihe von Abstimmungsgesprächen zwischen den beiden Fachbereichen Kultur und Wissenschaft sowie Stadtgrün und Sport wurde übereinstimmend festgestellt, dass das Areal der Abteilung „Ausländerfriedhof“ grundsätzlich in seinem jetzigen Erscheinungsbild erhalten werden soll. Zu diesem Zweck sollte die Beschilderung dieses Bereiches schlicht gehalten werden, um nicht von der zugrundeliegenden Thematik abzulenken. Gleichzeitig sollte das Alter der Anlage erkennbar sein und bleiben. Als Ergebnis dieser Abwägungen wurde daher auf einen beschränkten künstlerischen Wettbewerb verzichtet.
In Vorbereitung des Gesamtkonzeptes wurde einerseits ein Historiker mit der Recherche zur Erstellung einer geschichtlichen Darstellung der Entwicklung des sogenannten „Ausländerfriedhofs“ und die Beschreibung der Belegung respektive der dort bestatteten Personen beauftragt.
Pandemiebedingt waren Recherchearbeiten in Archiven nicht möglich. Daher haben sich erhebliche zeitliche Verzögerungen für den Abschluss der historischen Dokumentation ergeben.
Andererseits wurde eine punktuelle Neukonzeption des Abteilungsareals erstellt.
Nunmehr können die Ergebnisse vorgestellt werden.
Namensgebung:
Vor dem Hintergrund des oben skizzierten Grundgedankens einer dem Ort angemessenen, vorsichtigen Neugestaltung wird zukünftig diese Abteilung des Stadtfriedhofes den Namen „sogenannter Ausländerfriedhof – Ruhestätte der Opfer des Nationalsozialismus “ tragen. Damit wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die hier bestatteten Opfer des menschenverachtenden Regimes gewesen sind. Gleichzeitig wird der seit Anlage des Friedhofes 1944 zeitgenössische Name des Friedhofes, der fest im Sprachgebrauch verankert ist, in einem für die Opfer würdigenden Sinn modifiziert. Der erweiterte Name wird künftig in der nach außen gerichteten Informationsvermittlung über die Friedhofsabteilung eingesetzt.
Gestaltungskonzept
In das Gestaltungskonzept für den „sogenannten Ausländerfriedhof – Ruhestätte der Opfer des Nationalsozialismus“ sind zukünftig zur Information der Friedhofsbesucherinnen und – besucher vor Ort Informationen zur Historie der Abteilung integriert. Die Basis-Informationstafeln im „BLIK“-Schilder-Format sind an drei Zugängen zu finden. Des Weiteren wird eine sechsteilige Informationstafel im Y-Format an der nordöstlichen Ecke der Abteilung aufgestellt.
Die Aufstellungsorte der Basis-Informationstafeln und der Informationstafel im Y-Format sind in dem Übersichtsplan verzeichnet, der auf der Informationstafel abgebildet wird (siehe Anlagen 1 und 2)
Alle Informationstafeln werden mit QR-Codes ausgestattet, die auf eine neu zu konzipierende Seite für den „sogenannten Ausländerfriedhof – Ruhestätte der Opfer des Nationalsozialismus“ im städtischen Internet im Bereich Erinnerungskultur leiten werden. Die Internetseite wird auch in englischer Sprache verfügbar sein und mit der Präsentation des Friedhofs- und Bestattungswesens verlinkt werden. Abrufbar sind neben den Informationen über die Abteilung und die dort beigesetzten Opfer zukünftig auch die Abschlussdokumentation als pfd-Dokument, die neu erstellte Opferliste und eine Gesamt-Fotodokumentation aller Grabstätten.
Da derzeit insbesondere die Bereiche, in denen die Denkmäler (polnisch, ukrainisch und sowjetisch) stehen, nicht optimal zu erkennen sind, sollen die Flächen bei den Informationstafeln und den Denkmälern sowie die Eingangsbereiche der Wege mit Natursteinpflaster gepflastert und damit die Abteilung „Ausländerfriedhof“ hervorgehoben werden.
Um den vorhandenen Charakter der Abteilung zu wahren, sind keine flächendeckenden Maßnahmen hinsichtlich Grabmalsanierung oder Bewuchsveränderungen geplant oder zukünftig angestrebt. Es wurden jedoch abgestorbene Sträucher und Bäume aus Verkehrssicherungsgründen (Trocknungsschäden) entfernt und durch bienenfreundliche Blühsträucher (Hecke im Norden der Abteilung) im Rahmen des Projektes „ökologische Nische Friedhof“ ersetzt, womit sich der nördliche Eingangsbereich räumlich geöffnet hat. Grabmale werden auf ihre Standsicherheit geprüft und ggf. neu verankert.
In den offenen Bereichen zwischen den Grabreihen R6 bis R10 soll Schattenrasen eingesät werden, um die Grabreihen für den Besucher erkennbar zu gestalten, da dort die Gräber bzw. Grabeinfassungen nicht mehr vorhanden sind.
Ergebnisse der Historiker-Recherche:
Die jeweiligen Textinformationen (siehe Anlagen 3-8) auf den Basis-Informationsschildern und der Informationstafel fassen die Ergebnisse der 2018 begonnenen historischen Recherche zusammen.
Einschlägige Quellenbestände in der städtischen Registratur der Abteilung Friedhofs- und Bestattungswesen, im Stadtarchiv Braunschweig, im Niedersächsischen Landesarchiv
Standort Wolfenbüttel, dem Archiv KZ Drütte, Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution und Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport - Akten der Mission Française de Recherches et Transferts wurden gesichtet, ausgewertet und neu erfasst (vgl. auch Drucksache 19-11376).
Die Auswertung der Quellen und die in der Sekundärliteratur ausgewiesenen Datenerhebungen haben es ermöglicht, ausgehend von einer ersten namentlichen Identifizierung von 573 Gräbern respektive nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beigesetzten Opfern und rd. 1.500 hier beigesetzter Opfer in den 1950er Jahren, nunmehr rd. 1.900 Opfer namentlich erfassen zu können. In vielen Fällen konnten im Rahmen der Auswertungen auch unterschiedliche Namensüberlieferungen für Einzelpersonen entschlüsselt und weiterführende Informationen zu individuellen Schicksalen gesichert, Umbettungsprozesse aus unterschiedlichen Friedhöfen der Stadt, aber auch der Region ausgewiesen und Einzelfragen wie die der Kinderbestattungen vertiefend recherchiert werden. Die so erhobenen Daten werden in eine neue Namensliste der Opfer Eingang finden.
Aktenverluste, aber auch die Limitierung der Recherchen auf das im Wesentlichen in Braunschweig und regional verfügbare Archivalienmaterial machen eine zukünftig vollständige Ermittlung der Namen aller auf dem Ausländerfriedhof beigesetzten Personen derzeit eher unwahrscheinlich. Von einer noch weiterreichenden, bundesweiten Aktenrecherche wurde im Rahmen der für die Neukonzeption der Abteilung erforderlichen Untersuchung abgesehen.
Kosten
Abhängig vom Ausschreibungsergebnis für die Pflasterarbeiten sind für die physischen Maßnahmen Gesamtkosten in Höhe von ca. 30.000 EUR geplant. Für die darin enthaltenen Kosten der Pflasterarbeiten in Höhe von ca. 21.000 EUR wird bei dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport eine Förderung beantragt. Hier ist mit einer Refinanzierung in Höhe von 60 % zu rechnen. Weiterhin entstehen anteilig für die BLIK-Schilder und die Informationstafeln inklusive Druck und Layout Kosten in Höhe von rd. 9.000 EUR, die nicht förderungsfähig sind.
Insgesamt beträgt der Kostenanteil der Stadt für die Sanierungsarbeiten somit ca. 17.500 EUR. Entsprechende Haushaltsmittel sind im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport vorhanden.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
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1
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(wie Dokument)
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399 kB
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2
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(wie Dokument)
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454,2 kB
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3
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(wie Dokument)
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89,8 kB
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4
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(wie Dokument)
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218,2 kB
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5
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(wie Dokument)
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277,7 kB
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6
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(wie Dokument)
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273,1 kB
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7
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(wie Dokument)
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125,7 kB
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8
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(wie Dokument)
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103,7 kB
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