Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 22-18620

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:


Anlass:

 

Der für Umweltfragen zuständige Fachausschuss wurde in der Vergangenheit zu Beginn einer Ratsperiode über den Stand der Altlastenbearbeitung in Braunschweig informiert. An diese gute Tradition soll mit dieser Mitteilung angeknüpft werden.

 

Entstehung der Altlasten:

 

In Braunschweig sind seit Ende der 80er Jahre 198 massive Untergrundverunreinigungen überwiegend aus stillgelegten Industrie- und Gewerbebetrieben bekannt geworden.

 

Zusätzlich existieren 387 Altablagerungen, d. h. überwiegend mit „ll“ verfüllte Sand- und Tongruben. Die Frage, warum Braunschweig solch hohe Zahlen aufweist, erklärt sich aus der Industriegeschichte, dem 2. Weltkrieg und der damaligen aus heutiger Sicht deutlich zu kurz greifenden Rechtslage zum Umgang und zur Beseitigung von Abfällen und wassergefährdenden Stoffen.

 

Braunschweig hat sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe Weltgeltung als Technologiestandort verschafft. Betriebe wie Voigtländer, Rollei, Siemens, Büssing, MAN, VW, die Wilke-, die Panther- und die Luther-Werke, die MIAG und die BMA sind hervorzuhebende Beispiele der erfolgreichen Industriegeschichte Braunschweigs.

 

Diese hat aber, auch im Zusammenhang mit der massiven Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Folgen im Untergrund hinterlassen. Umweltgefährdende Stoffe wurden seinerzeit in großem Umfang verwendet.

 

Die Abfallentsorgung erfolgte ortsnah. Ausgebeutete Sand- und Tongruben wurden mit Abfällen aus der industriell-gewerblichen Nutzung verfüllt. Als Halden wurden lediglich zwei Altablagerungen am Madamenweg und der „Schlossberg“ zwischen der Kralenriede und Bienrode aufgeschüttet. In die gleichen Anlagen gelangten der sogenannte Hausbrand, andere Haushaltsabfälle und der Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs. Auf die Selbst­reinigungskraft des Bodens und des Grundwassers wurde vertraut, spezielle Anlagen zur Abfallbehandlung existierten nicht; erst 1972 trat das damalige Abfallbeseitigungsgesetz in Kraft.


 

Altlastenbearbeitung in Braunschweig:

 

Bereits seit Ende der 80er Jahre sammelt die Stadt Braunschweig systematisch Informationen im Altlastenkataster der Stadt. Dieses Kataster besteht aus historischen Plänen und Datenbanken zu Altablagerungen, Altstandorten, altlastverdächtigen Flächen und Gutachten sowie aus Einzelakten.

 

Gezielt wird die Bodenbeschaffenheit bei bekannt gewordenen Schadensfällen und Altablagerungen sowie in den Bereichen erkundet, die einer städtebaulichen Entwicklung zugeführt werden sollen. Im Rahmen der Bebauungsplanung stellt die Kommune mit dem Satzungsbeschluss auch gesunde Wohn- und Arbeitsbedingungen im Plangebiet sicher. Daher wird bei Planaufstellung geprüft, ob Anhaltspunkte für das Vorhandensein von Bodenverunreinigungen/Altlasten vorliegen. Ist das der Fall, verschafft sich die Gemeinde Klarheit über Art und Umfang und kennzeichnet erhebliche Bodenbelastungen im Bebauungsplan. Auf diese Weise wird auch das Altlastenkataster präzisiert.

 

Das Altlastenkataster wird aber auch durch systematische Untersuchungen von Betrieben altlastenverdächtiger Branchen - in den letzten Jahren waren dies überwiegend chemische Reinigungen ergänzt. Ziel ist es, durch Bodenuntersuchungen präzise Aussagen treffen zu können, welche Flächen unbelastet, welche belastet und welche zu sanieren sind.

 

Aktueller Stand:

 

Um welche Schadstoffe geht es bei den 198 Fällen?

 

Mit 116 Fällen dominieren die Verunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW), also Diesel, Heizöl und Motorenöl.

 

Den MKW-Schäden folgen die Verunreinigungen mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) mit 59 Fällen. Die CKW-Schäden stellen in Braunschweig die bedeutendste Schadstoff­gruppe dar. CKW-Belastungen breiten sich mit dem Grundwasserstrom aus, bilden also ausgeprägte „Schadstofffahnen“ und wandern nahe der Eintragsbereiche auch in Gebäude.

 

Den CKW-Schäden folgen anzahlmäßig die Verunreinigungen mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (Teer, PAK) mit 28 Fällen.

 

Diesen folgen die Verunreinigungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (Vergaser­kraftstoffe) mit 22 Fällen und zahlenmäßig an letzter Stelle rangieren die Verunreinigungen mit Schwermetallen mit 16 Fällen.

 

Durch Mischkontaminationen mit mehreren Schadstoffen gibt es Mehrfachnennungen.

 

Wie geht die Stadt mit den Altablagerungen um?

 

Seit 1989 erfolgt in Braunschweig die systematische Erfassung und Untersuchung der Altablagerungen, also der alten „llkippen“. 387 Altablagerungen wurden so erfasst. Viele kleinere Altlablagerungen sind lediglich registriert, aber mangels besonderer Hinweise auf gefährliche Inhaltsstoffe noch nicht orientierend untersucht. Allein die größeren, bereits gefährdungsabgeschätzten Ablagerungen weisen insgesamt ein Volumen von rund 15 Mio. Kubikmeter oder eine Masse von rund 24 Mio. Tonnen auf. Solche Mengen können nicht aus der Welt geschafft werden.

 

r die Nutzer der Flächen sind gegenwärtig keine Gefahren erkennbar, weil die Abfälle mit sauberem Boden überdeckt wurden.


 

56 Altablagerungen wurden langjährig bzw. werden noch immer regelmäßig überwacht, indem hier das Grundwasser auf Verunreinigungen untersucht wird.

 

Was wurde bislang erreicht?

 

Der bisherige Erfolg der Altlastensanierung kann an den sanierten Fällen gemessen werden, die allerdings untereinander nur bedingt vergleichbar sind: Von den 198 bekannt gewordenen massiven Untergrundverunreinigungen wurden 114 Fälle bislang saniert. Weitere 22 Schäden wurden zumindest teilsaniert. In diesen Fällen hat die Sanierung noch nicht das von der Bodenschutzbehörde angestrebte Sanierungsziel erreicht. In 10 Fällen laufen Sanierungsmaßnahmen.

 

Informationen im Internet:

 

Wesentliche Informationen zu den Altlasten, wie die Karte der festgestellten Grundwasser­verunreinigungen und der potentiell altlastenverdächtigen Flächen, sowie der jeweils letzte Altdeponiebericht und Informationen zu der Schwermetallbelastung der Okeraue sind im Internet veröffentlicht:

 

https://www.braunschweig.de/leben/umwelt_naturschutz/boden/altlasten.php.
 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise