Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 22-18927

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

 

„Der Empfehlung der Verwaltung über die Inszenierung eines Fragmentes des Brückenoberbaus in den Nordpark (Variante III) wird, vorbehaltlich des Brückenabrisses (Entscheidung Ausschuss für Mobilität, Tiefbau und Auftragsvergaben, DS-Nr. 18861), zugestimmt.“

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Beschlusskompetenz:

 

Die Beschlusskompetenz des Umwelt- und Grünflächenausschusses ergibt sich aus § 76 Abs. 3 Satz 1 NKomVG in Verbindung mit § 6 Nr. 6 a der Hauptsatzung.

 

Anlass:

 

Die ehemalige Brücke im neu entstehenden Nordpark gilt als ein Relikt aus der Zeit der Industrialisierung Braunschweigs. Die Konstruktion wäre auch ohne eigentliche Funktion geeignet, in den neuen Park integriert zu werden. Allerdings könnte dieser ursprünglichen Zielsetzung wegen des sehr kritischen und nicht mehr verkehrssicheren Bauwerkzustandes nur unter Einsatz einer deutlich sechsstelligen Sanierungssumme entsprochen werden. Dabei müsste zudem derart massiv in die ursprüngliche Konstruktion eingegriffen werden, dass dies eher einem Neubau als dem Erhalt der alten Substanz gleichkommen würde.

 

Laut Aussage eines Fachgutachtens kann für das marode Brückenbauwerk nur noch bis Sommer 2022 die Verkehrssicherheit bestätigt werden. Deshalb besteht akuter Handlungsbedarf – entweder durch die komplette Beseitigung des Bauwerks oder aber unter Erhalt und ein ´In-Szene-Setzen´ sanierungsfähiger Fragmente in dem umgebenden Nordpark. Darüber wurde der Stadtbezirksrat 331 Nordstadt sowie der Planungs- und Umweltausschuss am 26. Mai 2021 informiert. Die Verwaltung sprach sich vor dem Hintergrund der nicht vertretbaren Kosten bei Erhalt der Brücke als Ganzes für einen Rückbau bei gleichzeitiger Installation von Brückenfragmenten innerhalb des Parks aus.

 

Nach intensivem Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern im Rahmen von Bezirksratssitzungen sowie Beratungen im Planungs- und Umweltausschuss wurde die Verwaltung gebeten, Vorschläge zu unterbreiten wie zumindest ein Teil der Brücke als Relikt aus der Zeit der Industrialisierung erhalten und in den Park integriert werden kann (DS-Nr. 21-17009).

 

Im Folgenden stellt die Verwaltung mögliche Varianten dar:

 

Variante I

Demontage der Brücke

Das Brückenbauwerk, sieht man einmal von der Reflektion der Industrialisierungszeit Braunschweigs ab, hat schon lange keine verkehrliche Bedeutung mehr. Die Gleise der Hafenbahn können direkt neben der Brücke über eine hergestellte Querung ebenerdig überquert werden. Vor dem Hintergrund der nicht mehr vorhandenen verkehrlichen Bedeutung und deutlich sechsstelliger Beträge für den Erhalt einer wie auch immer veränderten Konstruktion, soll das Brückenbauwerk inklusive der Aufgänge, Stützen und Gründungen in Gänze zurückgebaut und entsorgt werden. Die Demontage der kompletten Brücke wird mit etwa 35.000 € bis 50.000 € geschätzt (vgl. Beschlussvorlage DS-Nr. 18861).

 

Die Varianten II bis IV umfassen neben einem Abriss der Brücke die Inszenierung von Brückenfragmenten:

Die Verwaltung hat Varianten untersucht, bei denen Fragmente der Brücke gesichert und sandortnah belassen werden könnten. Dieser Ansatz soll mit einer Inszenierung einhergehen, die ein Brückenfragment als Reminiszenz an die Industrie – und Bahngeschichte der Stadt erlebbar machen soll. Teile der Brücke sollen dabei für eine Dauer von mindestens 20 Jahren saniert und gesichert werden.

 

Variante II

Rückbau der Brücke bei Erhalt und Inszenierung der Treppentürme

Beide Treppentürme (nicht begehbar) bleiben als Relikt des Brückenbauwerks erhalten und werden nach Handentrostung konserviert und die Betonsockel instand gesetzt. Der Überbau sowie die Stützen und die Treppenanlagen werden zurückgebaut und entsorgt. Die Kosten betragen ca. 80.000 € einschl. Baunebenkosten.

 

Die beiden Treppentürme können zudem mit Hilfe einer Lichtinstallation in Szene gesetzt werden. Im oberen Teil der Türme wird jeweils eine Plexiglasplatte mit einer dahinterliegenden Beleuchtung montiert. Die beiden sich gegenüberstehenden Leuchtelemente illuminieren den Raum zwischen den Treppentürmen und beschreiben so für die Betrachtenden den ehemaligen Verlauf der historischen Brücke. Als Leuchtmittel dienen LED-Leuchten mit einer als insektenfreundlich geltenden Lichtfarbe von ca. 2000 Kelvin (max. 2700 Kelvin). Die Kosten einer solch zusätzlichen Lichtinstallation würden sich auf weitere ca. 28.000 € belaufen.

 

Vor dem Hintergrund des zukünftig inkrafttretenden Gesetztes zum Schutz von Tieren und Pflanzen vor nachteiligen Auswirkungen von Beleuchtungen (§ 41 a Bundesnaturschutzgesetz) wurde die Wahl der Leuchtmittel derart gewählt, dass eine Beeinträchtigung möglichst gering ausfallen würde. Die rotorange Lichtfarbe wird deutlich unter 2700 Kelvin liegen und den bereits anerkannten Empfehlungen folgen können (Insektenschutz). Zwar minimiert sich in dieser Folge die Intensität der Beeinträchtigung von Insekten, gleichwohl verblieben nach Einschätzung der Fachleute Nachteile für Vögel und Fledermäuse bestehen. Die Lichtfarbe ist in Bezug auf diese Tierarten unerheblich. Der mögliche Beleuchtungszeitraum würde sich deshalb voraussichtlich auf den Herbst und Winter beschränken, um weitere Beeinträchtigungen zu vermeiden. Dies ins Verhältnis zu den erforderlichen Mehrkosten für Leitungsarbeiten, Installationen und Wartung gesetzt, empfiehlt die Verwaltung von einer Beleuchtung abzusehen.

 

Variante III

Rückbau der Brücke und Inszenierung eines Fragmentes des Brückenoberbaus in den Nordpark

Für die Inszenierung wird ein 10 bis 12 m langes Überbausegment, südwestlich vom jetzigen Standort, auf einem neuen Fundament bodennah aufgelegt. Das Brückenteilstück wird instand gesetzt und mittels zweier kurzer Treppen für eine öffentliche Begehung erlebbar gemacht. In die historische Brückenkonstruktion wird ein statisch losgelöster Steg eingelegt, der die Brücke für Besucher zugänglich und erlebbar macht. Ein Geländer mit eingeschnittenen Inschriften ergänzt das Ensemble aus neuer und alter Brückenkonstruktion. Der restliche Überbau, die Stützen, die Treppenanlagen inklusive der Treppentürme werden zurückgebaut und entsorgt. Die Kosten einer solchen Inszenierungsvariante und der Kosten für den Rückbau betragen einschließlich der Baunebenkosten ca. 160.000 €.

 

Variante IV

Rückbau der Brücke bei Erhalt und Inszenierung der Treppentürme sowie einer Inszenierung eines Fragmentes des Brückenoberbaus in den Nordpark

Die Variante IV ist die Kombination aus der Variante II und der Variante III und stellt damit die teuerste der hier untersuchten Varianten mit geschätzten Gesamtkosten von ca. 268.000 € dar:

 

  • beide Treppentürme bleiben dabei erhalten
  • die Lichtinstallation, die den ursprünglichen Verlauf der Brücke aufgreift und insziniert, wäre wie bei Variante II möglich (Mehrpreis hier bereits in Gesamtkosten inkludiert)
  • 10 bis 12 m langes Überbausegment südwestlich vom jetzigen Bauwerk auf einem Fundament bodennah aufgelegt. Das Brückenteilstück wird instand gesetzt und mittels zweier kurzer Treppen für eine öffentliche Begehung erlebbar gemacht. In die historische Brückenkonstruktion wird ein statisch losgelöster Steg eingelegt, der die Brücke für Besucher zugänglich und erlebbar macht.
  • Rückbau der restlichen Brückenbestandteile

 

Diese Variante IV wurde von der Verwaltung als Planungsauftrag aus der Stadtbezirksratssitzung 330 am 20.01.2022 heraus mit untersucht. Im Haushalt stehen für diese Variante nicht ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung. Die Variante IV kann daher nicht zum Beschluss vorgeschlagen werden.

 

Fazit:

Die Variante IV liegt hinsichtlich des zu erwartenden Finanzbedarfs bereits nah an den Kosten für eine Konservierung des gesamten Brückenbauwerks für maximal 20 Jahre (DS-Nr. 21-16097). Allein vor diesem Hintergrund erscheint diese Variante völlig unverhältnismäßig (Kosten-Nutzen) und wird daher nicht weiterverfolgt.

 

Zusammenfassend und nach Abwägung aller Interessenlagen empfiehlt die Verwaltung darum die Umsetzung der Variante III: ´Rückbau der Brücke und Inszenierung eines Fragmentes des Brückenoberbaus in den Nordpark`. Diese Variante stellt zudem die geringsten Beeinträchtigungen der Flora und Fauna dar.

 

Bei allen dargestellten Varianten, einschl. der Variante I, sind zusätzlich Hinweisschilder am Standort der Brücke (mit Zugang vom Ringgleis) vorgesehen, die an das Brückenbauwerk im Kontext der Epoche der Industrie- und Bahngeschichte erinnern. Historisch aufbereitetes Planmaterial soll Interessierten detaillierte Einblicke in die Brückenkonstruktion geben. Hierfür entstehen weitere Kosten in Höhe von ca. 6.000 € bis 12.000 € (je nach Stückzahl).

 

Weiterer Ablauf der Maßnahme:

Aufgrund der gutachterlichen Stellungnahme im Jahre 2021 müsste ein Rückbau Mitte 2022 umgesetzt werden. Fällt die Entscheidung zur Ausführung der Variante I (ohne Inszenierung eines Brückenfragments) wird diese Maßnahme unmittelbar nach dem Gremienentscheid ausgeschrieben, um den Rückbau möglichst nach Vorgabe der gutachterlichen Stellungnahme auszuführen.

 

Wird die Ausführung einer der Varianten II oder III gewünscht, wird die Ausführung in zwei Bauabschnitten erfolgen. Im ersten Bauabschnitt, der unmittelbar nach Gremienentscheid umgesetzt wird, soll der Überbau abgenommen und in entsprechender Größe im Umfeld zur Gefahrenabwehr zwischengelagert werden. Im zweiten Bauabschnitt wird dann die Inszenierung des jeweiligen Brückenbauteils als Relikt umgesetzt (Ausschreibung und Vergabe für Herbst 2022 vorgesehen).

 

Die aufgezeigten Vorgehensweisen bedingen alle den entsprechenden Beschluss des Ausschusses für Mobilität, Tiefbau und Auftragsvergaben zum Brückenabriss (DS-Nr. 22-18861).

 

Finanzierung:

Für die Varianten I bis III stehen die erforderlichen Haushaltsmittel im Teilhaushalt des FB 66 auf der Finanzposition 4S.660018 in Höhe von 50.000  und dem Referat 0617 auf der Finanzposition 5E.000007 mit 110.000 € zur Verfügung.

 

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